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Veröffentlicht am
Juni 22, 2026
Letzte Aktualisierung: Juni 22, 2026

Das Ende einer Laufbahn, nicht einer Berufung

Ao.Univ.-Prof.in Dr.in Renate Reif

Montag, 22. Juni 2026 | Fachbereich Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte | Universitätsplatz 1 | 5020 Salzburg

Im Rahmen des diesjährigen Betriebsausflugs des Fachbereichs Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte wurden mit P. Moritz OFM nicht nur die Räumlichkeiten des sanierten Franziskanerklosters besichtigt, sondern auch eine der Säulen des Fachbereichs,  Ao.Univ.-Prof.in Dr.in Renate Reif, aus dem aktiven Dienst verabschiedet.

Mit den Worten des Fachbereichsleiters Assoz. Prof. DDr. Dionisio Candido:

Liebe Renate!

Mir kommt heute die Aufgabe zu, ein einfaches und kurzes Grußwort zu sprechen – und vor allem Danke zu sagen für Deine lange Tätigkeit als Lehrende für Bibelwissenschaft an unserer Theologischen Fakultät.

Nach Deiner Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin nahmst Du im Studienjahr 2000/2001 am Fachbereich Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg Deine Lehrtätigkeit auf. Dabei galten Deine ersten Lehrveranstaltungen der Literatur des Alten Testaments und dem Buch Ijob.

Seitdem hast Du Generationen von Studierenden begleitet. Du hast Einführungen in das Alte Testament und die deuterokanonische Literatur angeboten. Du hast biblische Theologie unterrichtet und dabei Themen wie das Gottesbild, die Anthropologie und die Menschwerdung behandelt. In Deinen Exegeseveranstaltungen standen einzelne biblische Bücher im Mittelpunkt – Rut, Jeremia, Jona, Tobit, Ijob und das Hohelied.

Besonders wichtig war Dir dabei immer auch der Blick auf weibliche Perspektiven und auf jene Frauenfiguren der Bibel, die oft übersehen werden. Darüber hinaus hast Du Studierende in das rabbinische Judentum eingeführt, Hebräisch gelehrt und Interesse für die biblische Archäologie geweckt.

Was bleibt nun von dieser langen und intensiven akademischen Laufbahn? Und was wird jetzt aus Dir? Ich antworte mit einer kleinen rabbinischen Geschichte:

Ein alter Lehrer kündigt am Ende seiner Lehrzeit seinen Schülerinnen und Schülern an, dass er in Pension geht.

Einer fragt:
„Rabbi, und was werden Sie jetzt tun? Endlich ausruhen?“

Der Lehrer lächelt:
„Ja, natürlich. Ich werde später aufstehen, in Ruhe Tee trinken und lesen …“

Der Schüler nickt zufrieden.
„Wie schön. Und dann?“

Der Lehrer denkt kurz nach:
„Dann werde ich meine ehemaligen Studierenden besuchen und ihnen sagen, dass sie alles falsch verstanden haben, was ich unterrichtet habe.“

Der Schüler ist überrascht:
„Meister, vertrauen Sie uns nach all den Jahren noch immer nicht?“

Der Rabbi antwortet:
„Im Gegenteil. Lehrerinnen und Lehrer gehen nie wirklich in Pension – sie wechseln nur die Nummer ihres Hörsaals.“

Liebe Renate!

Wir sind überzeugt: Auch Du wechselst nur die Nummer Deines Hörsaals. Du nimmst deine Freude am Lehren mit. Ebenso Deinee besondere Aufmerksamkeit für Menschen – eine Fähigkeit, die Du schon in den 1980er Jahren als Krankenschwester im Krankenhaus Bad Reichenhall gelernt und gelebt hast.

Unser Wunsch für Dich ist, dass Du dich gerne an die Hallen unseres Fachbereichs erinnerst, an die Gesichter Deiner Studierenden und an die Kolleginnen und Kollegen, die heute mit Dir feiern.

Wir wünschen Dir für diesen neuen Abschnitt Zeit, Freude, Gesundheit – und viele Gelegenheiten, weiter zu lehren, zu erzählen und Menschen zu begegnen.

Alles Gute!

Verabschiedung Ao.Univ.-Prof.in Dr.in Renate Reif

Maximilian Niesner MA

Sekretariat

Katholisch-Theologische Fakultät | FB Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte

Universitätsplatz 1

E-Mail an Maximilian Niesner MA