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Veröffentlicht am
Juni 24, 2026
Letzte Aktualisierung: Juni 24, 2026

Festlicher Generationenwechsel in der Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät

Salzburg, 18. Juni 2026 – In einem dichten und zugleich von großer Wertschätzung getragenen Rahmen wurde an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg ein bedeutender Generationenwechsel sichtbar: Univ.-Prof. Dr. Alois Halbmayr verabschiedete sich mit seiner Abschiedsvorlesung in den Ruhestand, während Univ.-Prof.in Dr.in Franca Spies ihre Antrittsvorlesung als neue Professorin für Dogmatik hielt. Die gemeinsame Veranstaltung verband Rückblick und Aufbruch auf eindrucksvolle Weise und machte den Übergang auch inhaltlich erfahrbar.

Der Hörsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und spiegelte das große Interesse an diesem besonderen Abend wider. Kolleginnen und Kollegen, Studierende sowie Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter waren gekommen, um diesen Moment mitzuerleben – ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für das Wirken von Alois Halbmayr und der Neugier auf die theologischen Impulse seiner Nachfolgerin.

Bereits in den einleitenden Worten wurde die Bedeutung des Abends hervorgehoben: als Schnittstelle zwischen einem langjährigen, prägenden Wirken und einer neuen Phase theologischer Reflexion an der Fakultät. Grußworte des Dekans

Im Mittelpunkt des ersten Teils stand die Antrittsvorlesung von Franca Spies, die sich der biblischen Apokalyptik widmete. Unter einem bewusst differenzierten Zugang entfaltete sie Apokalyptik nicht als Bild des Untergangs, sondern als „Enthüllung“ – als Sichtbarwerden einer tieferen Wahrheit über Gott und Welt. Mit großer Klarheit zeichnete sie nach, wie diese Perspektive dazu beitragen kann, Geschichte neu zu deuten: als sinnhaft und zugleich relativiert im Horizont einer kommenden Wirklichkeit.

Dabei wurde auch die Ambivalenz dieses Denkens deutlich. Apokalyptische Motive können Hoffnung eröffnen, zugleich aber auch politisch instrumentalisiert werden. Gerade darin, diese Spannung nicht vorschnell aufzulösen, liege – so die Linie ihres Vortrags – eine zentrale Aufgabe der Theologie in der Gegenwart.

Im Anschluss richtete sich die volle Aufmerksamkeit auf die Abschiedsvorlesung von Alois Halbmayr. Unter dem Leitmotiv der „Zwischenräume“ führte er noch einmal in jene Denkbewegungen ein, die sein theologisches Arbeiten über viele Jahre hinweg geprägt haben. Diese Zwischenräume beschrieb er als Orte, in denen sich Freiheit, Erkenntnis und verantwortliches Handeln überhaupt erst entfalten können.

Mit großer gedanklicher Offenheit und spürbarer persönlicher Tiefe gelang es Halbmayr, zentrale Linien seiner Forschung zusammenzuführen. Sein Zugang, Glaube nicht als starre Gewissheit, sondern als lebendige Bewegung zu verstehen – geprägt von Suche, Vorläufigkeit und Offenheit –, wurde an diesem Abend noch einmal in besonderer Dichte erfahrbar.

Zugleich verband er seine Überlegungen mit einem klaren Plädoyer für die Universität als Raum freien und kritischen Denkens. Gerade angesichts gesellschaftlicher Spannungen und wachsender struktureller Herausforderungen komme es darauf an, Orte zu bewahren, in denen Ambivalenz, Widerspruch und auch produktiver Irrtum möglich bleiben.

Die Veranstaltung wurde damit zu mehr als einem formalen Abschied. Sie wurde zu einer Würdigung eines theologischen Werks, das die Fakultät über viele Jahre hinweg in Forschung, Lehre und akademischer Selbstverwaltung nachhaltig geprägt hat. Alois Halbmayr hat mit seiner dialogischen und offenen Denkweise Generationen von Studierenden und Kolleginnen und Kollegen beeinflusst und die Fakultät entscheidend mitgestaltet.

Zugleich wurde deutlich, dass mit Franca Spies eine Theologin an die Fakultät gekommen ist, die diesen Diskurs weiterführt und neue Akzente setzt. Ihre Perspektiven eröffnen Anschlussmöglichkeiten an aktuelle Debatten und tragen zur Weiterentwicklung der Systematischen Theologie in Salzburg bei.


Kurzbiografien

Univ.-Prof.in Dr.in Franca Spies wurde 1990 in Ulm geboren und studierte Katholische Theologie in Freiburg im Breisgau. Dort promovierte sie 2020 mit einer Arbeit zur Theologie des Judentums nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. 2023 habilitierte sie sich an der Universität Luzern mit einer Studie zur Schöpfungs- und Inkarnationstheologie im Dialog mit gegenwärtigen theoretischen Ansätzen. Ihre wissenschaftliche Laufbahn führte sie von Freiburg nach Luzern, wo sie zuletzt als Oberassistentin und Privatdozentin tätig war. Seit Dezember 2025 ist sie Professorin für Dogmatik an der Universität Salzburg.

Univ.-Prof. Dr. Alois Halbmayr wurde 1961 in Niederösterreich geboren und studierte Katholische Theologie in Salzburg und Tübingen. Nach seiner Promotion 1998 und der Habilitation 2007 wurde er 2008 zum Universitätsprofessor in Salzburg ernannt. Neben internationalen Lehr- und Forschungsaufenthalten engagierte er sich über viele Jahre hinweg in der akademischen Selbstverwaltung, unter anderem als Dekan der Fakultät von 2017 bis 2021. Sein theologisches Wirken steht für eine reflektierte, dialogische und gesellschaftlich sensible Dogmatik.


Die dichte Atmosphäre des Abends, die intensive Aufmerksamkeit des Publikums und der lang anhaltende Applaus am Ende der Veranstaltung verliehen diesem Generationenwechsel eine besondere Eindringlichkeit. Sie machten sichtbar, was über viele Jahre gewachsen ist – und zugleich das, was nun neu beginnt.

Mit Alois Halbmayr verabschiedet sich eine prägende Persönlichkeit der Katholisch-Theologischen Fakultät, deren Wirken weit über den Hörsaal hinausreichte. Mit Franca Spies beginnt zugleich ein neues Kapitel, das an Bestehendes anknüpft und die theologische Arbeit in Salzburg weiterführen und bereichern wird.

 

Zum Artikel der katholischen Presseagentur Österreich

credits: Martin Dürnberger

Eva Hartl

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