Forschungsprojekt zu Formen des Antisemitismus nach dem 7. Oktober im Sommersemester 2026
Im Sommersemester 2026 führt Frau Dr.in Sara Han am Fachbereich Systematische Theologie ein Forschungsprojekt zum Thema „Formen des Antisemitismus nach dem 7. Oktober“ durch. Das Projekt ist Teil des Drittmittelprojekts zum jüdisch-christlichen Dialog unter Leitung von Prof. Dr. Gregor Maria Hoff und widmet sich der Analyse aktueller Erscheinungsformen antisemitischer Diskurse im Kontext der Ereignisse vom 7. Oktober 2023 und ihrer gesellschaftlichen Nachwirkungen.
Ausgangspunkt des Forschungsprojekts von Dr.in Sara Han ist die These, dass Antisemitismus als ein komplexes Phänomen zu verstehen ist, in dem religiöse, politische und kulturelle Semantiken eng miteinander verflochten sind. Diese Verschränkung wird nicht als neue Entwicklung interpretiert, sondern als Ergebnis langfristiger Transformationsprozesse. Dabei wurden insbesondere christlich-theologische Deutungsmuster im Laufe der Zeit säkularisiert, politisiert und in veränderter Form fortgeschrieben.
Das Projekt untersucht, wie diese transformierten Wissensbestände in den öffentlichen Diskursen nach dem 7. Oktober reartikuliert werden. Im Fokus stehen dabei sowohl explizite als auch implizite und strukturelle Formen des Antisemitismus. Analysiert werden kirchliche Stellungnahmen, mediale Debatten sowie digitale Kommunikationsräume, um die Dynamiken der Aktualisierung antisemitischer Semantiken sichtbar zu machen.
Ein besonderes Augenmerk gilt den Leerstellen der theologischen Aufarbeitung. Dort, wo christliche Prägungen des modernen Antisemitismus unerkannt bleiben, verweist dies auf bislang unzureichende Auseinandersetzungen mit dem historischen Antijudaismus. Das Forschungsprojekt von Dr.in Sara Han zielt daher auch auf eine kritische Bestandsaufnahme der theologischen Antisemitismusforschung und ihrer offenen Fragen.
Methodisch verbindet die Studie eine theologisch-historische Rekonstruktion mit einer qualitativ ausgerichteten Diskursanalyse. Durch diese interdisziplinäre Herangehensweise leistet das Projekt einen Beitrag zu einem vertieften Verständnis der Kontinuitäten und Transformationen antisemitischer Denkmuster in gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatten.
Zur Person
Dr.in Sara Han ist katholische Theologin und Judaistin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die theologische Antisemitismusforschung, den Antijudaismus, die europäisch-jüdische Geschichte und den jüdisch-christlichen Dialog nach der Shoa. Sie ist assoziierte Wissenschaftlerin am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg.