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Michael Kittl. Sportlich zur Biologiepromotion

Zweigleisig – so hat Michael Kittl sein Studium an der Uni Salzburg angelegt. Damit hat er sein Dilemma – da die Liebe zum Sport, dort die Begeisterung für die Biologie – gelöst. Dass er sich für eine Dissertation über die kleine Aminosäure Glycin entschieden hat, die eine große Rolle beim Zell-Stress spielt, hat mit seinem Haupt-Doktorvater zu tun. Seit Oktober ist Kittl im neuen Doktoratskolleg „Interdisziplinäre Stressphysiologie“ dabei.

Ja, Michael Kittl kommt aus einem akademischen Umfeld und selber studieren lag irgendwie nahe. Nur was? Das ist für den 1988 in der Stadt Salzburg geborenen Sohn eines inzwischen pensionierten HTL Direktors und einer Physiotherapeutin nach der Matura am BRG Akademiestraße die große Frage. Der innere Kampf zwischen Beachvolleyball und Biologie geht unentschieden aus und so absolviert er ein Doppelstudium – Sport und Biologie – samt Masterarbeiten in beiden Disziplinen. „Ich forsche sehr gern im Labor und etwas Neues zu entdecken, ist sehr interessant. Aber ich brauche und genieße auch den Sport. Es ist der ideale Ausgleich zur Arbeit.“  

Die Arbeit – das ist für Michael Kittl seit März 2015 seine Biologie-Dissertation. Sie knüpft inhaltlich direkt an die Masterarbeit an. „Dass ich weitergemacht habe, hat viel mit meinem Haupt-Betreuer, dem Zellbiologen Professor Hubert Kerschbaum von der NAWI, der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni zu tun. Seine Lehrveranstaltungen sind sehr spannend und er hat immer ein offenes Ohr für seine Studierenden. Durch seine engen Kontakte zur PMU arbeite ich jetzt hier an der PMU für die Dissertation.“   

Konkret ist es der elektrophysiologische Raum im neuen Laborgebäude der PMU, in dem Kittl die meiste Zeit verbringt, vor Mikroskopen. Die technische Ausstattung an der PMU ist für Kittls Arbeit besser geeignet als die Apparaturen an der NAWI. Der Physiologe Professor Markus Ritter von der PMU ist Kittls Nebenbetreuer. Kittl ist über eine Dissertantenstelle inzwischen an der PMU angestellt.  

Und worum geht es in seiner Arbeit? Im Zentrum steht die körpereigene Aminosäure Glycin. Sie ist ein Multitalent mit noch unerforschten Facetten. Glycin ist im Gehirn ein hemmender Neurotransmitter, moduliert die Aktivität des Immunsystems und schützt die Zellen vor dem Zelltod. Es ist bekannt, dass Organe, die für eine Transplantation vorgesehen sind und in einer glycinhaltigen Lösung aufbewahrt werden, weniger Zellschäden aufweisen.  Die Ursache dafür kennt man nicht. Das zu ändern ist ein Ziel von Kittl.  

Dabei dreht sich alles um den Prozess der sogenannten „Phagozytose“, was so viel heißt wie „Zellfressen“.  Es ist eine Reaktion der Zelle auf Zellstress. Zellstress tritt zum Beispiel auf, wenn die Zelle mit Krankheitserregern in Kontakt kommt. „Wir arbeiten mit Mikrogliazellen, das sind Immunzellen des zentralen Nervensystems. Sie werden auch als Fresszellen des Gehirns bezeichnet. Sie leiten die ersten Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger ein, indem sie zu den Erregern wandern und diese auffressen. Diesen wichtigen Prozess nennt man Phagozytose. Er ist noch nicht ganz erforscht. Bei diesem Prozess spielt Glycin eine wichtige Rolle und die untersuchen wir.“   

Und hat Kittl schon etwas herausgefunden? „Wir haben durch viele Versuche herausgefunden, dass durch Glycin die Zelle zu schwellen beginnt. Für die Schrumpfung der Zelle sorgen hingegen die Chlorid-Ionen, die aus der Zelle strömen. Schwellung und Schrumpfung machen die Phagozytose aus. Wir können zeigen, dass die Phagozytose ein volumsregulierter Prozess ist. Manche Krankheiten wie zystische Fibrose oder Alzheimer haben mit einer gestörten Phagozytose zu tun.“  

Bei seiner Laborarbeit wendet Kittl eine diffizile Analysemethode an, mit der sich das elektrische Verhalten einzelner Zellen untersuchen lässt. „Die größte Herausforderung bei meiner Arbeit war am Anfang die Handhabung der Technik. Bei der sogenannten Patch-Clamp Methode, für deren Erfindung es vor 25 Jahren den Nobelpreis gegeben hat, muss man mit einer Elektrode eine einzelne Zelle berühren. Das ist sehr schwierig. Da ist am Anfang viel danebengegangen. Ich habe hier an der PMU aber beim Elektrophysiologie-Experten, Dozent Martin Jakab, immer großartige Unterstützung erhalten. Bei inhaltlichen Fragen wiederum hat Professor Hubert Kerschbaum viele gute Ideen gehabt.“  

Dem neuen Doktoratskolleg steht Michael Kittl positiv gegenüber, auch wenn für ihn das interdisziplinäre Arbeiten schon jetzt zum Dissertationsalltag gehört. „Das Interdisziplinäre taugt mir sehr. Jeder Betreuer hat eigene Ideen. In der Gruppe kommt man auf Dinge, auf die man allein wahrscheinlich nicht käme.“ 

Kommendes Jahr will Kittl die Dissertation abschließen. Ob er danach an der PMU oder an der NAWI weitermachen kann, ist offen. „Jedoch hoffe ich, meine Arbeit an einer dieser beiden Unis fortsetzen zu können, denn Forschen fasziniert mich.“  

Kontakt: Michael.