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Veröffentlicht am
Juni 12, 2026
Letzte Aktualisierung: Juni 12, 2026

Mittelalter digital erforschen

Von der Wenzelsbibel zur computergestützten Figurenanalyse: Zwei innovative Forschungsprojekte an der Universität Salzburg

Der Fachbereich Germanistik an der Universität Salzburg hat zwei vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hochdotierte Forschungsprojekte an Land gezogen.

Die Wenzelsbibel – Digitale Edition und Analyse/The Wenceslas Bible – Digital Edition and Analysis (WB_DEA)

Die Wenzelsbibel ist eine großformatige Prachthandschrift, die um 1390-1400 für den böhmischen König Wenzel IV. angefertigt wurde. Sie überliefert die erste systematische Übersetzung des Alten Testaments aus der lateinischen Vulgata ins Frühneuhochdeutsche, begleitet von einem künstlerisch überaus wertvollen Illustrationsprogramm.

Ziel des FWF-Projekts am Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg ist die Entwicklung einer digitalen Gesamtedition der Wenzelsbibel.

Sie bietet Abbildungen der gesamten Handschrift, eine genaue Wiedergabe des Textes in moderner Schrift, eine Lesefassung, Kommentare zur Übersetzung, Verbesserungen von Schreiberfehlern und Worterklärungen, Bildanalysen und Analysen zu den Beziehungen zwischen Text und Bild. Der Text wird zum ersten Mal erschlossen, die Illustrationen und die Text-Bild-Beziehungen erstmals systematisch digital erfasst und untersucht. Die komplexe Anlage der Edition verfolgt eine innovative Weiterentwicklung digitaler Editionsmethoden.

Die Wenzelsbibel gibt ein prominentes Beispiel für die gesamteuropäischen Bestrebungen des 14. und 15. Jahrhunderts, die lateinische Bibel in die unterschiedlichen Volkssprachen, und eben lange vor Luther, auch ins Deutsche zu übersetzen. Diese religions- und kulturgeschichtlich überaus bedeutsamen Zusammenhänge sind ebenso Teil des Projekts. Sie stellen ein noch weitgehend unerschlossenes Forschungsfeld dar. Die Forschungsarbeiten können auf einer  Pilotedition aufbauen, die bereits öffentlich zugänglich ist.

Das Projekt mit einer Laufzeit von knapp vier Jahren und einem Fördervolumen von rund 655.000,- Euro wird kooperativ vom Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg, dem Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Abteilung für Forschung und Datenservices der Österreichischen Nationalbibliothek durchgeführt. Die Projektleitung liegt bei Manfred Kern vom Fachbereich Germanistik, bei Maria Theisen von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Christoph Steindl von der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB). Die interdisziplinäre und internationale Anbindung soll durch einen externen wissenschaftlichen Beirat sowie durch mehrere Workshops und eine Konferenz zur europäischen Bibelübersetzung in Spätmittelalter und Früher Neuzeit sichergestellt werden.

Wenzelsbibel Genesis Ausschnitt
© Wenzelsbibel Digital

Grenzüberschreitende Forschung

 „Figuren digital“ erhält Förderung von FWF und DFG

Das internationale WEAVE-Forschungsprojekt „Figuren digital. Annotation, Methodik und Analyse im Kontext semantischer Konzepte“, wird vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DGF) gemeinsam mit einem Gesamtfördervolumen von rund 545.000, – Euro unterstützt.

Katharina Zeppezauer-Wachauer vom Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg leitet den Salzburger Projektteil des internationalen Projekts. Die Gesamtkoordination liegt bei Nora Ketschik (Universität Stuttgart), die zugleich die Lead Institution des Verbundprojekts vertritt. Friedrich Michael Dimpel fungiert als Projektleiter für FAU Erlangen-Nürnberg. Das dreijährige Projekt untersucht neue computergestützte Methoden zur Analyse literarischer Figuren in mittelhochdeutschen Erzähltexten.

Zentraler Bestandteil der Analysen ist die  Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB) an der Universität Salzburg, eines der wichtigsten digitalen Langzeitprojekte der germanistischen Mediävistik. Die MHDBDB dient dabei nicht nur als Text- und Datenbasis, sondern auch als Forschungsinfrastruktur für semantische Analysen und KI-gestützte Verfahren.

Im Projekt werden Figurenreferenzen – darunter Eigennamen, Bezeichnungen und Pronomen – mithilfe computergestützter Annotation, Koreferenzauflösung (das Erkennen, welche Wörter oder Ausdrücke im Text sich auf dieselbe Sache oder Person beziehen) und semantischer Analyse untersucht. Ziel ist es, Figurenkonstellationen, Beziehungen und narrative Muster in mittelalterlichen Texten systematisch sichtbar und analysierbar zu machen.

Das Projekt verbindet Ansätze aus Mediävistik, Digital Humanities, Natural Language Processing (NLP) und KI-gestützter Textanalyse und entwickelt offene Forschungsdaten, Annotationen und Werkzeuge für die internationale Forschungsgemeinschaft.

Figurenprojekt
© K. Zeppezauer-Wachauer/ Michael Dimpel

 

KONTAKT:

Univ.-Prof. Mag. Dr. Manfred Kern | Germanistik
Adresse: Erzabt Klotz Straße 1 | 5020 Salzburg | Austria

Tel.: +43 662 8044 4378

Mag. Dr. MA. Katharina Zeppezauer-Wachauer | Germanistik
Adresse: Erzabt Klotz Straße 1 | 5020 Salzburg | Austria

Tel.: +43 662 8044 4341

Wenzelsbibel Genesis

Mag.a Susanna Graggaber

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Universität Salzburg | Universitätskommunikation

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Tel: +43 662 8044-2027

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Bild: © Wenzelsbibel Digital