Rabbiner David Meyer erhält Seelisberg-Preis 2026
Hannover/Salzburg. Im Rahmen der diesjährigen Tagung des International Council of Christians and Jews (ICCJ) in Hannover wurde am Sonntag zum fünften Mal der Seelisberg-Preis verliehen
Die Auszeichnung ging an den in Rom lehrenden Rabbiner Dr. David Meyer, der an der Päpstlichen Universität Gregoriana tätig ist und zu den international profiliertesten Stimmen im jüdisch-christlichen Dialog zählt.
Der Seelisberg-Preis wird seit 2022 gemeinsam vom International Council of Christians and Jews (ICCJ) und dem von Prof. Dr. Gregor Maria Hoff geleiteten Projekt zum jüdisch-christlichen Dialog am Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Paris Lodron Universität Salzburg vergeben. Mit der Auszeichnung werden Persönlichkeiten geehrt, die durch wissenschaftliche Arbeit, Lehre und gesellschaftliches Engagement die Beziehungen zwischen Judentum und Christentum nachhaltig fördern.
Nach der Neutestamentlerin Amy-Jill (AJ) Levine (2022), dem Judaisten und Historiker Joseph Sievers (2023), dem Theologen und Religionswissenschaftler Rabbiner Ed Kessler (2024) sowie der in Tel Aviv lehrenden Professorin für Religious Studies Barbara U. Meyer (2025) geht der Preis in diesem Jahr an David Meyer.
Brückenbauer zwischen jüdischer und christlicher Theologie
Der 1967 in Paris geborene Rabbiner David Meyer studierte zunächst Angewandte Mathematik und Sozialwissenschaften, bevor er seine rabbinische Ausbildung am renommierten Leo Baeck College in London absolvierte. Nach Stationen als Gemeinderabbiner in Belgien und Großbritannien verlagerte er seinen Schwerpunkt auf die akademische Arbeit und promovierte in Religionswissenschaft an der Katholieke Universiteit Leuven. Seit 2010 lehrt er am Cardinal-Bea-Zentrum für Judaistik der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.
In ihrer Würdigung hebt die Jury insbesondere Meyers Beiträge zur theologischen Verständigung zwischen den Religionen hervor. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Frage, wie religiöse Traditionen miteinander in einen fruchtbaren Dialog treten können, ohne ihre jeweilige Identität aufzugeben. Durch seine Lehr- und Forschungstätigkeit hat er wichtige Impulse für das gegenseitige Verständnis von Judentum und Christentum gesetzt. Darüber hinaus engagiert er sich auch im jüdisch-muslimischen Dialog.
Erinnerung an die „Zehn Punkte von Seelisberg“
Der Name des Preises erinnert an die historische Seelisberg-Konferenz von 1947 in der Schweiz. Dort verabschiedeten jüdische und christliche Vertreter die wegweisenden „Zehn Punkte von Seelisberg“, die als Meilenstein für die Überwindung antijüdischer Denkmuster in den Kirchen und als Ausgangspunkt der modernen jüdisch-christlichen Verständigung gelten. Der von ICCJ und dem „Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen“ an der Universität Salzburg vergebene Preis knüpft bewusst an dieses Erbe an.
Mit der Auszeichnung David Meyers wird ein Gelehrter geehrt, dessen Arbeit beispielhaft für die Ziele des Seelisberg-Preises steht: Dialog, gegenseitiger Respekt und die Vertiefung des Verständnisses zwischen religiösen Traditionen in einer zunehmend pluralen Gesellschaft.
Quelle: JC Relations,„David Meyer erhält den Seelisberg-Preis 2026“ (1. Juni 2026). Link zum Artikel
