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Veröffentlicht am
März 2, 2026
Letzte Aktualisierung: März 2, 2026

Terrassenbau als Klimastrategie

Studie unter Salzburger Beteiligung zeigt Ackerterrassen wirken unterschiedlich auf den Kohlenstoffhaushalt im Boden.

Ackerterrassen sind in gebirgigen Regionen weltweit verbreitet. Sie reduzieren die Bodenerosion, verbessern den Wasserhaushalt der Böden und unterstützen die landwirtschaftliche Produktion. Vor allem in alten Kulturlandschaften wie in Europa, bedecken Terrassen einen substanziellen Teil des Ackerlands. Da Böden das wichtigste terrestrische Kohlenstoffreservoir darstellen, wird Terrassierung vermehrt als Landnutzungstechnik eingesetzt, um Kohlenstoff zu speichern und die anthropogene Klimaerwärmung zu mindern. Hier allerdings sind die bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse nicht immer eindeutig: das Anlegen von Terrassen kann sowohl zur Kohlenstoffspeicherung als auch zum Verlust von Kohlenstoff führen.

Eine neue internationale Studie, an der Forschende der UC Louvain (Belgien), der Arctic University of Norway, dem UK Centre for Ecology & Hydrology, der ETH Zürich, Universitäten in Southampton (UK), Padova (Italien), Guangdong (China) und auch der Universität Salzburg mitgearbeitet haben, ist jüngst in  Science Advances erschienen und trägt zur Klärung dieser Frage maßgeblich bei.

Die Untersuchung zeigt, dass der Einfluss der Terrassierung auf Kohlenstoff im Boden nicht überall gleich ist, sondern mit Bodencharakteristika und klimatischen Bedingungen zusammenhängt.

“Über viele Jahre wurden immer wieder ganz unterschiedlich Ergebnisse über den Kohlenstoffhaushalt terrassierter Böden publiziert“, sagt Andreas Lang vom Fachbereich Umwelt und Biodiversität der Uni Salzburg und einer der PIs des ERC-geförderten Projekts.

“Diese Arbeit zeigt, wie das Klima das Gleichgewicht zwischen Bodenverlagerung und Kohlenstoffstabilisierung beeinflusst, und stellt erstmals einen umfassenden Rahmen zur Verfügung, um die Kohlenstoffdynamik in Ackerterrassen zu verstehen.“ Dazu hat vor allem der Vergleich terrassierter und nicht terrassierter Landschaften über einen großen klimatischen Gradienten beigetragen. Durch diesen Vergleich wird deutlich, dass Terrassen in humiden Regionen Kohlenstoff im Boden anreichern, da der Kohlenstoff, der beim Aufbau der Terrassen verloren geht, durch Pflanzenwachstum aufgefrischt und in den Terrassenböden stabilisiert und gespeichert wird. Terrassierung führt hier, zusätzlich zu den bereits bekannten positiven Bodenfunktionen, auch zur Langzeitspeicherung von Kohlenstoff.

In ariden und semi-ariden Regionen hingegen ist die Situation komplexer. Hier ist die Bioproduktivität geringer, der Kohlenstoff im Boden nicht so gut geschützt und damit die Fähigkeit dieser Böden reduziert, Kohlenstoffverluste auszugleichen. Dies kann in speziellen Fällen längerfristig sogar zum Verlust von Kohlenstoff führen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Terrassierung nicht automatisch überall positive Klimaeffekte erzielt.  “Terrassen können zur Milderung des Klimawandels beitragen, aber nur wenn die Umweltbedingungen stimmen”, erklärt Pengzhi Zhao, der Erstautor der Studie. “Die Studie identifiziert, wo Terrassen die Langzeitspeicherung von Kohlenstoff in Böden erlauben und stellt so eine praktische Richtline für Klima-smartes Landmanagement und politische Entscheidungen zur Verfügung.”

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass Landnutzungsstrategien maßgeschneidert werden müssen und eine one-size-fits-all Lösung nicht zielführend ist. Laut Johan Six (ETH Zürich), Co-Autor der Studie, ist die Verwendung von Terrassen in der Landnutzung eine aussichtsreiche Methode, um die Sequestrierung von Kohlenstoff in Böden zu fördern – allerdings nur dann, wenn die lokalen Gegebenheiten beachtet werden.

“Klima, Bodeneigenschaften und Land-Management bestimmen gemeinsam, ob Terrassen als Langzeit-Kohlenstoffspeicher fungieren,” merkt er an. “Diese Untersuchung liefert den notwendigen wissenschaftlichen Rahmen, um herauszufinden, wo und wann Terrassen einen Klimavorteil erbringen.”

Landwirtschaftlicher Terrassenbau expandiert weltweit. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit eines klima- und bodenschützenden Landmanagements: wenn Terrassen im Einklang mit den lokalen Umweltbedingungen entworfen und bewirtschaftet werden, können sie gleichzeitig die Nahrungsproduktion steigern, die Bodenerosion reduzieren und atmosphärischen Kohlenstoff binden und über lange Zeit speichern.

Für den Leiter des 2025 an der Universität Salzburg eingerichteten Zentrums Climate Change Resilienz (CCR), Jussi Griessinger, Fachbereich Umwelt und Biodiversität, zeigt diese Studie beispielhaft „wie am Zentrum CCR international relevante wissenschaftliche Erkenntnisse zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandel gewonnen werden.

Link zur Publikation:  https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aea8560


Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Lang Andreas | Fachbereich Umwelt und Biodiversität
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Terrassen in Villar d’Arene, Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, Frankreich

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Foto: © Andreas Lang (Terrassen in Villar d’Arene, Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, Frankreich)