Universität Salzburg: Ausstellung erinnert an erste lehrende Frau
Salzburg, 05.06.2025 (KAP) Eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek Salzburg erinnert an Jeanne Peyrebère Marquise de Guilloutet (1875-1961). Sie unterrichtete als erste Frau an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Salzburg, machte sich um den französisch-österreichischen Kulturaustausch verdient und vermittelte Künstlerinnen und Künstler für die Salzburger Festspiele. Anlässlich ihres 150. Geburtstages beleuchtet die Ausstellung das „abenteuerliche und widersprüchliche Leben dieser außergewöhnlichen Frau“, wie es vonseiten der Universität Salzburg heißt. Am Mittwochabend wurde die Ausstellung im Rahmen eines kleinen Festakts offiziell eröffnet.
Jeanne Peyrebère unterrichtete von den 1930er-Jahren bis 1961 (unterbrochen nur durch die Auflösung der Fakultät 1939-45 durch das NS-Regime) an der Theologischen Fakultät. – Damals die einzige Fakultät der Universität.
Spätestens ab Anfang der 1930er-Jahre gab sie in Salzburg Französischkurse für angehende Priester. Ihre schillernde Persönlichkeit mit fast romanhaftem Lebenslauf gab ihren Zeitgenossen viele Rätsel auf. Sie stammte aus Frankreich und heiratete Jeanne de Peyrebère, der 1920 auf der Reise nach Port-Gentil in Gabun bei einem Schiffsunglück ertrank. Er war in Begleitung seiner Geliebten gewesen, die er als Ehefrau ausgegeben hatte. Deshalb musste seine Witwe erst mühselig beweisen, dass sie die Gattin war. Möglicherweise verließ sie deshalb ihre Heimat und mietete im Turmhaus der Benediktinerinnenabtei Nonnberg in der Stadt Salzburg eine Wohnung.
Der Zweite Weltkrieg zwang Madame Peyrebère zur Rückkehr in ihre Heimat Frankreich. Nach Kriegsende nahm Madame Peyrebère ihre Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät wieder auf. Ihre finanziellen Verhältnisse verschleierte sie erfolgreich vor der Salzburger Öffentlichkeit. Groß war daher die Überraschung, als nach ihrem Tod am 9. Dezember 1961 ein Vermögen von 1,5 Millionen Schilling vorgefunden wurde. Aus diesen Mitteln vergibt die Stadtgemeinde Salzburg noch heute ein „Interkulturstipendium“ für Kunst- und Kulturprojekte. Begraben wurde Jeanne de Peyrebère auf dem Petersfriedhof. Die Universitätsbibliothek verdankt Jeanne Peyrebère eine Schenkung bedeutender Werke durch die französische Regierung, aber auch Bücher aus ihrem persönlichen Besitz mit zahlreichen Geschenkvermerken.
Die Universität und die Frauen
Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dietmar Winkler, würdigte Peyrebère als „Pionierin“ und erinnerte in seinen Ausführungen an das historische Vor- und Umfeld ihrer Lehrtätigkeit. Zwar gab es in Österreich universitär wohl bereits 1878 vom Ministerium für Kultur und Unterricht einen Erlass, dass Frauen an Universitätsvorlesungen teilnehmen durften – allerdings „nur ganz ausnahmsweise“ und nur bei „besonderen, im einzelnen Falle zu würdigenden Umständen“. Frauen konnten demnach als sogenannte Hospitantinnen zugelassen werden, was bedeutete, dass sie weder als ordentliche noch als außerordentliche Hörerinnen galten. Eine solche Zulassung habe zudem die Zustimmung des jeweiligen Dozenten, der Fakultät sowie des Ministeriums erfordert – „ein bürokratischer Kraftakt, der Durchhaltevermögen und Entschlossenheit erforderte“, so Winkler.
Ferner sei es Mädchen zwar möglich gewesen, die Matura als Externistinnen an einem Knabengymnasium abzulegen, doch habe dieser Abschluss zunächst nicht zur Aufnahme eines regulären Universitätsstudiums berechtigt. Erst im Jahr 1900 wurde Frauen der Zugang zum Medizinstudium gewährt; 20 Jahre später folgte die Zulassung an technischen Hochschulen – jedoch auch nur unter der Bedingung, dass dadurch kein männlicher Bewerber seinen Studienplatz verlor.
An Katholisch-Theologischen Fakultäten hätten die ersten Frauen überhaupt erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, also frühestens Ende der 1960er-Jahre studieren können, „da die Fakultäten bis dahin schlichtweg als akademische Priesterausbildungsstätten galten und immer in einer engen Symbiose mit den diözesanen Priesterseminaren standen“.
Die erste Universitätsassistentin an der Salzburger Katholisch-Theologischen Fakultät wurde 1982 eingestellt, einige wenige weitere Frauen folgten bis Ende des Jahrhunderts. Und die erste Berufung als Universitätsprofessorin fand erst im Jahr 2000 statt: Marlis Gielen war die erste Professorin an der Theologischen Fakultät. Winkler: „Fünf Monate nach ihrem Dienstantritt begann das 21. Jahrhundert.“
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