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Veröffentlicht am
Juni 23, 2026
Letzte Aktualisierung: Juni 23, 2026

Wenn Infektionen Krebs auslösen: Salzburger Forschungsprojekt nimmt infektiöse Auslöser ins Visier

Krebs entsteht nicht immer „einfach so“. In manchen Fällen tragen Infektionen dazu bei: Bestimmte Bakterien und Viren erhöhen das Risiko, vor allem wenn sie den Körper langfristig schädigen oder wiederholt Infektionen auslösen.

Im hochkarätigen EU-Projekt TagTIC (Target mining for the development of therapeutics against pathogen-induced cancers), einer mit 4,3 Millionen Euro geförderten Spitzenforschungsinitiative unter Leitung der Universität Salzburg, arbeiten junge Forschende aus ganz Europa zusammen. Die Projektleitung liegt bei Silja Wessler und Richard Moriggl vom Fachbereich Biowissenschaften und Medizinische Biologie. Sie definieren die Forschungsfrage kurz und knapp: Wie tragen Infektionen zur Entstehung von Krebs bei – und wie lassen sich daraus neue Therapien entwickeln? Die These, dass Infektionen Krebs auslösen, ist nicht neu: Vor genau 100 Jahren erhielt der dänische Pathologe Johannes Fibiger dafür den Nobelpreis. Seine Annahme hielt der späteren Forschung nicht stand, aber dennoch ist heute erwiesen, bestimmte Erreger tragen tatsächlich zur Krebsentstehung bei. Dazu gehören etwa das Bakterium Helicobacter pylori, das mit Magenkrebs in Verbindung steht.

Ein großes Rätsel bleibt: Warum entwickeln manche Menschen schwere Tumore, während andere trotz ähnlicher Voraussetzungen kaum betroffen sind? Auffällig ist zudem, dass aggressive Tumore im Verdauungstrakt zunehmend auch jüngere Menschen betreffen. Umwelt, Ernährung und Lebensstil könnten eine Rolle spielen – die genauen Zusammenhänge sind noch nicht ausreichend erforscht.

Viele Menschen wissen nicht, dass Erreger wie Helicobacter pylori, Fusobacterium nucleatum oder das Epstein-Barr-Virus Zellen beeinflussen können. Sie lösen oft unbemerkt genetische Veränderungen aus und können sogar Therapien negativ beeinflussen.

Hier setzt das Projekt TagTIC an. Die Forschenden untersuchen, wie aus einer Infektion Krebs entsteht und wie man gezielt medikamentös dagegen vorgehen kann. Kleinste Veränderungen sollen frühzeitig erkannt und neue Ansatzpunkte für Medikamente gefunden werden. Dazu kommen modernste Technologien zum Einsatz.  Moderne Zellmodelle, die menschliche „Mini-Organe“ nachbilden, sogenannte Organoide, künstliche Intelligenz zur Analyse großer Datenmengen, Hochdurchsatzverfahren und hochauflösende Bildgebung.

„Wir schauen dorthin, wo Krebs entsteht, um neue therapeutische Ansätze zu entwickeln“, sagt Projektkoordinatorin Silja Wessler. „Zusammen mit den klinischen Partnern des Universitätsklinikums Salzburg und Chemikern können wir gezielt neue Wirkstoffe und Therapiestrategien entwickeln und schneller in die Anwendung bringen“, ergänzt Richard Moriggl.

TagTIC bildet elf Doktorandinnen und Doktoranden an der Schnittstelle von Medizin, Biologie und Technologie aus und bereitet sie auch auf Karrieren in Industrie und Start-ups vor. Am Projekt sind Partner aus mehreren europäischen Ländern sowie Unternehmen beteiligt. „Europaweit ist TagTIC einzigartig, weil es Infektionen, Krebs und moderne Technologien eng miteinander verbindet. Gleichzeitig bieten wir eine exzellente Ausbildung – von der Grundlagenforschung bis hin zur praktischen Anwendung.“

Colon Organoid
Organoid: © Moriggl AG.
Infektionsbild
Bild: © Weßler AG

Forschung Krebs durch Infektionen

Mag. Susanna Graggaber

Wissenschaftskommunikation

Universität Salzburg I Universitätskommunikation

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Tel: +43 662 8044-2027

E-Mail an Mag. Susanna Graggaber

Foto v. l. n. r.: Richard Moriggl, Silja Wessler, Paul Wätzig I© Simon Haigermoser