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WERTEWANDEL. KONSERVATISMUS-TREND IN DER CORONA-KRISE GESTIEGEN

Wie verändern sich die Werte und Einstellungen der Menschen in Zeiten der Pandemie? Salzburger Soziologen sind an einer weltweiten Längsschnittstudie zu dieser Frage wesentlich beteiligt. Für Österreich zeigt sich nach einem Jahr Pandemie ein verstärkter Konservatismus-Trend.

21 Portraits zur Messung von Grundwerten und ungefähr 300 andere Fragen zu politischen und sozialen Einstellungen enthält die international vergleichende Umfrage zu Werten in der Krise (Values in Crisis, VIC). Eine Besonderheit der Studie ist das Längsschnitt-Design mit drei Erhebungswellen in allen teilnehmenden Ländern. „Die gleichen Proband*innen werden im Jahresrhythmus befragt, um potentielle Werteveränderungen in der Krise zu prüfen. Die zweite Erhebung läuft aktuell in vielen Ländern und betrifft die Phase, in der ein Ende der Krise in Sicht scheint. Eine finale dritte Erhebung ist 2022 geplant, wenn hoffentlich die ökonomisch und sozial tiefgreifenden Folgen der Krise einigermaßen überwunden sind“, erläutert Wolfgang Aschauer.

Salzburg hat die Aufbereitung der globalen Daten nach Österreich geholt

17 Länder nehmen an der VIC-Studie teil: sieben Länder in Europa (Deutschland, Österreich, UK, Schweden, Polen, Italien, Griechenland), zwei lateinamerikanische Länder (Brasilien, Kolumbien), fünf Länder aus Asien (Japan, China, Hongkong, Südkorea, die Malediven) und drei Länder aus den GUS-Staaten (Russland, Kazachstan, Georgien).

Die Datenaufbereitung der weltweiten Erhebung findet in Österreich statt, auf Initiative der Salzburger Soziologen und in enger Zusammenarbeit mit dem „Austrian Social Science Data Archive“ AUSSDA (Otto Bodi-Fernandez und Manfred Herzog). Alexander Seymer: „Es ist für uns ein großer Erfolg, dass erstmals eine Umfrage zu den sozialen Auswirkungen der Pandemie im weltweiten Vergleich für die Analyse bereitsteht und im österreichischen Datenarchiv frei zugänglich für die globale Scientific Community der Werteforscher*innen zur Verfügung steht.“

Österreich als „Zuversicht-Weltmeister“ zu Pandemie-Beginn

Ein bemerkenswertes Ergebnis des Ländervergleichs: Österreich war im Mai 2020 das Land mit den geringsten Sorgen um die Gesundheit und um wirtschaftliche Folgen. Im Zuge dieser ersten Erhebungen war nirgends die Angst geringer, dass man selbst oder Nahestehende lebensbedrohlich erkranken könnten. Auch die Ängste vor wirtschaftlichen Folgen blieben im Rahmen. Hier teilt sich Österreich den vorderen Platz mit Schweden, knapp gefolgt von Deutschland, wobei sichtlich jene Länder an der Spitze stehen, in denen der Eindruck vorherrscht, dass wirtschaftliche Krisenfolgen durch umfassende wohlfahrtsstaatliche Maßnahmen entsprechend abgemildert werden können“, erklärt Wolfgang Aschauer. In Hinblick auf die Zufriedenheit mit dem staatlichen Krisenmanagement, schneidet Österreich in der Anfangsphase – aber nur in dieser – gut ab.

Österreich nach einem Jahr Corona: Konservative Werte weiter im Aufwind

Während international die zweite Erhebung teils noch läuft, wurde sie für Österreich im April 2021 abgeschlossen. Über 2000 Personen nahmen daran teil. Davon wirkten 1200 auch bei der ersten Umfrage mit, wodurch erstmals direkte Werteveränderungen nach einem Jahr Pandemie bei denselben Personen nachgewiesen werden können.

So zeigt sich etwa, dass Werte, die auf die Bewahrung der Ordnung abzielen, an Bedeutung gewinnen. Werte, die auf Unabhängigkeit und Hedonismus ausgerichtet sind, werden weniger wichtig. „Konformität wird als Grundwert in der Bevölkerung stärker erkennbar“, resümiert Soziologe Aschauer. Bezüglich Zukunftserwartungen stellt sich eine leicht resignierende Haltung ein und deutlich gestiegen sind die Ängste vor gesundheitlichen Folgen, relativ gleichmäßig verteilt nach Alter und Bildung der Befragten.

Die Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen sind hingegen ungleich verteilt: Besonders ausgeprägt sind sie bei niedriger Qualifikation sowie im jungen und mittleren Erwachsenenalter. Stark zugenommen hat die Unzufriedenheit mit der Regierung und es wird kaum noch von einer erhöhten Solidarität zwischen Mitmenschen berichtet. „Nachdem in Österreich im Mai 2020 der Eindruck vorherrschte, dass unser Land gut durch die Pandemie gekommen ist, reiht es sich durch die Erfahrungen des schwierigen Winterhalbjahres nun nahtlos in die Stimmungslage anderer Länder ein. Es ist eine deutliche Pandemiemüdigkeit zu konstatieren,“ schließt Aschauer.


Die Initiative zur Studie  Values in Crisis Austria [1] geht auf den deutschen Politikwissenschaftler und Werteforscher Christan Welzel zurück, der im März 2020 einen  globalen Aufruf zur Mitwirkung an der ländervergleichenden Umfrage publiziert hat. Federführend für das Projekt in Österreich ist das Methodenteam der Abteilung Soziologie der Universität Salzburg um Wolfgang Aschauer und Alexander Seymer, in Kooperation mit Soziolog*innen der Universität Graz und Linz ( Team des Sozialen Surv

Kontakte

Wolfgang Aschauer I Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie I Rudolfskai 42 | 5020 Salzburg I t. +43 662 8044 4105 I   I plus.ac.at/soziologie/aschauer

Alexander Seymer I Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie I Rudolfskai 42 | 5020 Salzburg I t. +43 662 8044 4116 I

Wolfgang Aschauer & Team

Assoz. Prof. PD MMag. Dr. Wolfgang Aschauer

Paris Lodron Universität Salzburg I FB Poltikwissenschaft und Soziologie I Abteilung Soziologie und Kulturwissenschaft

Rudolfskai 42 I A-5020 Salzburg

Tel: +43 662 8044 4105

E-Mail an Assoz. Prof. PD MMag. Dr. Wolfgang Aschauer

(v.l.n.r.) Markus Kreuzberger, Wolfgang Aschauer, Alexander Seymer, Laura Reiter I Foto: © Daniela Gruber