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    Villa Tugendhat, hier mit Blick nach Südosten, 1929 bis 1930 von Ludwig Mies van der Rohe

    BRÜNN

    Wege der Moderne: Bauhaus

    Im Rahmen des Seminars ‚Wege der Moderne: Bauhaus‘ besuchte Sigrid Brandt Anfang Juni das mährische Brünn, von enthusiastischen Architekturhistorikern als ‚Tel Aviv des Nordens‘ bezeichnet. Brünn hat neben seiner größten Ikone der Architektur-Avantgarde, der Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe, ein besonders großes gebautes Erbe des 20. Jahrhunderts vorzuweisen, das weit über die zwanziger Jahre hinausragt. Auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hat sowohl städtebaulich als auch architektonisch bemerkenswerte Zeugnisse in der Stadt hinterlassen.
    Wer den legendären Bau von innen besichtigen möchte, sollte alles um diesen Termin herumgruppieren. Die Tickets sind auf Monate im voraus ausgebucht. Auch wenn der Bau fotografisch gut dokumentiert ist, lohnt der Besuch sehr. Der Bezug zum elterlichen Grundstück von Grete Löw-Beer, verh. Tugendhat, die geschickte Ausnutzung der Hanglage, bauliche Details und vor allem die Raumwirkung werden dadurch verständlich

    Fotos: Sigrid Brandt
  • SB_11.06.2016_02
    Das Café Zeman, heute ein nobles Restaurant in der östlichen Parkanlage des Rings von Brünn, ist ein Entwurf von Bohuslav Fuchs, seinerzeit Stadtbaumeister und einflussreicher Architekt in Brünn. Eröffnet 1926, nahm es die Idee der versenkbaren Fenster der Villa Tugendhat voraus, um das umgebende Grün in den Innenraum zu bringen. Nach seinem Abriss in den 1960er Jahren waren es junge Architekten (Z. Pech und J. Janíková), die sich Ende der 1990er Jahre für eine Rekonstruktion des ‚ersten funktionalistischen Gebäudes in Brünn‘ einsetzten.
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    Der Architekt Ernst Wiesner – als Jude emigrierte er 1939 nach London und kehrte nie wieder zurück – vertrat in den zwanziger Jahren eine ‚andere Moderne‘, die sich in einigen Fällen als ‚architecture parlante‘ fassen lässt. Sein Krematorium, südwestlich der Stadt gelegen, 1930 eröffnet, macht die Erzählung des Abschieds zum zentralen Moment auch im Äußeren des Baus.
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    Die zentrale Markthalle, heute ein Kultur- und Veranstaltungszentrum, reagiert auf das historische Umfeld des Krautmarktes, auf dem sich auch der Parnassbrunnen von Fischer von Erlach befindet und der bis heute als Obst- und Gemüsemarkt bei den Bewohnern der Stadt sehr beliebt ist, mit bemerkenswerter Modernität. Ohne dessen Rahmen zu sprengen, gelang es dem in Prag geborenen Architekten Emanuel Hruška, eine zeitgemäße Architektur zu entwerfen, die 1947 bis 1950 noch vor der Zeit des sozialistischen Realismus realisiert werden konnte.