Vortrag: Platons Politische Philosophie und ihre kontroversen Deutungen
Vortragender: Univ.-Prof. Dr. Christoph Horn, Universität Bonn
15. Oktober 2026 | 17:00 Uhr | Alte Residenz | SR E.33 | Residenzplatz 1 | Salzburg | Einladung
Politische Philosophie bildet in den platonischen Schriften eines der wiederholt behandelten Themen: staatliche Gesetzen schuldeten unbedingten Gehorsam (Krition 50a–54d); verfügt jeder Mensch über „politische Tugend“? (Protagoras 320c–324c); Sokrates (d.h. der Philosoph) als Spezialist der „wahren politischen Kunst“ (Gorgias521d); Ideal der gerechten Polis, in welcher die Philosophen auf Grundlage perfekten Wissens herrschen sollen (Politeia). Während die Möglichkeiten einer Realisierung in der Politeia als gering gelten, liefert der Politikos eine praktikablere Konzeption vom Wissen des Staatsmanns, skizziert eine Verfassungstheorie und verteidigt die Vorstellung einer Gesetzesordnung. In den Nomoi entwickelt Platon schließlich das Modell einer wohlgeordneten, gesetzesbasierten Polis, die er als realisierungsfähige politische Option betrachtet zu haben scheint. In der Platon-Forschung gibt es nun eine alte, kontrovers geführte Debatte über das Verhältnis der verschiedenen Ansätze, die jeweils in der Politeia, dem Staatsmann und den Gesetzen vertreten werden. Worin unterscheiden sie sich, wieweit reichen die Unterschiede und wodurch sind sie zu erklären?
Christoph Horn, Professor für Praktische Philosophie und Philosophie der Antike an der Universität Bonn.
Publikationen: Plotin über Sein, Zahl und Einheit, 1995. Augustinus, 1995. Antike Lebenskunst, 1998. Politische Philosophie, 2003. Philosophie der Antike, 2013. Nichtideale Normativität, 2014. Einführung in die Moralphilosophie, 2018. Augustinus, „De civitate dei“, 1997. Wörterbuch der antiken Philosophie, 2002. Philosophie der Gerechtigkeit. Texte von der Antike bis zur Gegenwart, 2002. Politischer Aristotelismus. Die Rezeption der aristotelischen ‚Politik’ von der Antike bis zum 19. Jahrhundert, 2008; Platon-Handbuch. Leben–Werk–Wirkung, 2009; Gründe und Zwecke. Texte zur aktuellen Handlungstheorie, 2010; Platon, „Symposion“, 2011; Neoplatonism and the Philosophy of Nature, 2012; Platon, Nomoi (Gesetze), 2013; Säkularität und Moderne, 2016. Grundriss der Geschichte der Philosophie (Ueberweg): Philosophie der Kaiserzeit und der Spätantike, 2018; Körperlichkeit in der Philosophie der Spätantike, 2020.
