FOR APAC Ringvorlesung: „Zen und die Kunst des Erwachens: Aufklärung in Ostasien”
Mit Univ.-Prof. Helwig Schmidt-Glintzer von der Universität Tübingen
Dienstag, 13. Oktober 2026, 15:15–16:45 Uhr | HS 888, Sigmund-Haffner-Gasse 18, 3. Stock | 5020 Salzburg
In einer Zeit, in der sich die Welt anschickt, sich neu zu ordnen, kann es hilfreich sein, sich früherer Zeiten zu vergewissern. Die Zeit um die erste Jahrtausendwende war so eine Zeit in Ostasien ebenso wie in Europa. Nicht nur in Westeuropa, sondern auch am östlichen Rande Eurasiens gab es vor tausend Jahren ein aufgeklärtes Denken. Dieses nahm seinen Ausgang in den Orientierungsdebatten der chinesischen Bildungseliten ebenso wie in der Wahrheitssuche und dem Erlösungsverlangen einzelner sowie der buddhistischen Gemeinden in China, Japan und Korea. Die in Gesprächen gefundenen Weisheiten strahlten als ZEN-Lehre in die ganze Welt aus. Man suchte die aus Indien nach China gelangten Lehren des Buddha in der eigenen Kultur Ostasiens aufgehen zu lassen.Diese ZEN-Bewegung war eine China, Korea und Japan und dann weitere Regionen erfassende Erscheinung.Sie war verknüpft mit Umgangssprache und Schriftkultur und dadurch eng an das Chinesische als die Schriftsprache Ostasiens geknüpft, hat ihren Sprachwitz und ihre Lebendigkeit aber dabei nicht verloren.
In dem Vortrag wird der Wendepunkt in der ZEN-Praxis zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert thematisiert. Hier finden wir einen Schlüssel zum Verständnis ostasiatischer Geistigkeit und Mitmenschlichkeit, zum Verhältnis von Gespräch und geschriebenem Wort und vom Umgang mit der Widersprüchlichkeit der Welt. Die späteren konfuzianischen Umbrüche bei Wang Yangming (um 1500) und die Reformansätze und revolutionären Bewegungen am Ende der Qing-Dynastie sind ohne diese frühen Aufklärungstraditionen nicht zu verstehen. Die im ZEN zum Ausdruck kommende Welthaltung wird vor dem Hintergrund ihrer Entstehung erläutert, und es wird gezeigt, wie sie gerade in der Gegenwart zu neuem Handeln in der Welt befähigen und Scheindebatten überwinden helfen könnte.
Helwig Schmidt-Glintzer, Jahrgang 1948, ist ein deutscher Sinologe und Publizist. 1967 bis 1973 Studium der Sinologie, Soziologie und Internationalen Politik in Göttingen und München. Nach längerem Aufenthalt in Taiwan und Japan 1979 Habilitation an der Universität Bonn. 1981 bis 1993 Lehrstuhl für Ostasiatische Kultur- und Sprachwissenschaft an der Universität München. 1993 bis 2015 Professor für Ostasiatische Literatur- und Kulturwissenschaft an die Universität Göttingen und Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. 2016 bis 2023 Seniorprofessor an der Universität Tübingen und Gründungsdirektor des China Centrum Tübingen (CCT). Seit 2024 leitet er das EuroAsia-Institut für Kultursysteme.
Veröffentlichungen zum Thema: China. Vielvölkerreich und Einheitsstaat (1997); Geschichte der chinesischen Literatur (21999; Chinas leere Mitte. Die Identität Chinas und die globale Moderne (2018); Der Buddhismus (52026); Buddha. Das Leben des Siddhartha Gautama (2026).
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