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PLUS: Ludwig Boltzmann Institut (LBI) für Health Science

Eines von drei neuen Ludwig Boltzmann Instituten geht an die Paris Lodron Universität Salzburg: An der Fakultät für Natur- und Lebenswissenschaften wird das Institut für Nanovesikuläre Präzisionsmedizin etabliert. Es wird von Universitätsprofessorin Nicole Meisner-Kober geleitet. Das Fördervolumen für 10 Jahre umfasst 15 Mio Euro. Die beiden anderen neuen Institute kommen an die Medizinische Universität Wien (Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge) bzw. an die die Universität Wien (Netzwerkmedizin).


Hinweis: Das Ludwig Boltzmann Institut der PLUS wird am Mittwoch, den 6. März 2024 im Rahmen der  SALZ21 präsentiert: Messezentrum, Halle 1, 18.00 Uhr.


„Die neuen Institute werden maßgeblich zur Entwicklung innovativer Therapien für die komplexen Herausforderungen der modernen Medizin beitragen“, betonte der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung Martin Polaschek, anlässlich eines Pressegespräches der  Ludwig Boltzmann Gesellschaft in Wien. Die drei neuen Forschungseinrichtungen wurden im Rahmen einer internationalen Ausschreibung ausgewählt. Im Fokus steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen.

Die Health Sciences umfassen alle mit Gesundheit befassten Disziplinen. Die Ludwig Boltzmann Institute arbeiten mit forschungs- und anwendungsorientierten Organisationen zusammen. Sie haben eine maximale Laufzeit von 10 Jahren und werden mit insgesamt 15 Mio Euro dotiert, 80% davon kommen von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Das Land Salzburg finanziert mit einem Gesamtvolumen von 3 Mio Euro 20% des Gesamtbetrages der Salzburger Einrichtung. Diese Mittel stammen aus dem Forschungsressort von Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer. Der Jahresbeitrag für ein LBI beträgt 1,5 Mio Euro. So wird den Wissenschaftler:innen der nötige finanzielle und organisatorische Freiraum für herausragende Forschungsleistungen geboten.


Ludwig Boltzmann Institut für Nanovesikuläre Präzisionsmedizin an der Paris Lodron Universität Salzburg

(Nanovesicular Precision Medicine, LBI-NVPM)

Institutsleitung: Univ.-Prof. Dr. Nicole Meisner-Kober

Mit der dramatisch ansteigenden Lebenserwartung der Weltbevölkerung wächst die Häufigkeit an chronischen Erkrankungen und damit der Bedarf an effektiven, zielgerichteten und vor allem gut verträglichen Therapiemöglichkeiten. Erkrankungen, die vor allem mit zunehmendem Lebensalter gehäuft auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen wie Krebs, neurodegenerative Erkrankungen und entzündlich-degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates, sind derzeit mit traditionellen Wirkstoffprinzipien immer noch unzureichend behandelbar. Durchbrüche in der Grundlagenforschung haben gezeigt, dass biologisch inspirierte Wirkstoffe wie insbesondere RNA-Therapien, aber auch Wirkstoffe, die Proteine in natürliche Abbauwege einschleusen (PROTACs) oder auf dem Prinzip der Genschere beruhen (CRISPR/Cas), enormes Zukunftspotential haben.

Da solche Makromoleküle natürliche Prozesse ausnützen, die über Millionen Jahre evolutionär optimiert wurden, bieten sie nicht nur eine außerordentlich hohe sowie präzise Wirksamkeit, sondern auch die Möglichkeit, Neuland in den möglichen pharmazeutischen Wirkmechanismen zu betreten und damit Erkrankungen erstmals behandelbar zu machen, die sich als besonders ‚harte Nüsse‘ erwiesen haben. Ein tatsächlicher Einsatz wird derzeit allerdings erheblich dadurch eingeschränkt, dass solche Wirkstoffe in unserem Körper nicht oder nur unzureichend an den Wirkungsort gelangen. Von außen eingebrachte biologische Makromoleküle werden in unserem Körper grundsätzlich als fremd und möglicherweise infektiös erkannt und möglichst schnell abgebaut und ausgeschieden; körpereigene Barrieren wie zum Beispiel die Blut-Hirn-Schranke verhindern ein Eindringen in tieferliegende Gewebe und Zellen und unser Immunsystem schlägt vorsichtshalber Alarm. Eine ungelöste Herausforderung für den Einsatz von biologischen Wirkstoffen ist daher die Frage, wie solche Makromoleküle zielgerichtet und effektiv im Körper über Schutzbarrieren hinweg in genau die Gewebe transportiert werden können, wo sie benötigt werden, ohne vom Immunsystem und körpereigenen Abbaumaschinerien erkannt zu werden.

Im neu gegründeten Ludwig Boltzmann Institut für Nanovesikuläre Präzisionsmedizin an der Paris Lodron Universität Salzburg (LBI-NVPM) soll erforscht werden, wie ein körpereigenes Nano-Transportsystem genau für diesen Zweck genutzt werden kann: Unsere Körperzellen entsenden ständig eine Artillerie an molekularen Botenstoffen, verpackt in bläschenartigen Nanovesikeln, um Informationen an Empfängerzellen zu übermitteln. Ähnlich wie ein hochausgeklügeltes ‚FedEx‘ System im Nano-Maßstab werden dabei molekulare Adressen genutzt, um in Vesikel verpackte biologische Makromoleküle wie RNA, Proteine oder Lipide zielgerichtet und effektiv, über biologische Barrieren hinweg, in teils entfernt liegende Gewebe zu transportieren, um dort von Empfängerzellen entpackt zu werden und ihre Funktion auszuüben. Ziel der Forschung im LBI-NVPM ist es, dies zu nutzen, um biologische Wirkstoffe wie ein ‚trojanisches Pferd‘ in dieses körpereigene Transportsystem einzuschleusen und dadurch, am Immunsystem und anderen Barrieren vorbei, präzise, effektiv und gut verträglich an ihren Wirkungsort zu transportieren. Mithilfe einer Entschlüsselung der molekularen Adressgebung könnte beispielsweise ein RNA-Wirkstoff zielgerichtet an Tumorzellen bzw. metastatische Nischen transportiert werden, ohne in nicht-erkrankten Geweben Nebenwirkungen auszulösen; neuartige Behandlungen von neurodegenerativen Erkrankungen können zum Einsatz kommen, indem es gelingt, diese über die Blut-Hirnschranke zu transportieren, und durch Nutzung von Nanovesikeln in Nahrungsmitteln wie insbesondere der Milch könnten solche Wirkstoffe darüber hinaus oral verabreicht werden. Die Nanovesikel selbst zeigen dabei je nach ihrer Herkunft ebenfalls Funktionen, die für therapeutische Zwecke genutzt werden können, wie zum Beispiel zur Unterdrückung von entzündlichen Reaktionen oder der Begünstigung von Gewebsregeneration. Das LBI-NVPM hat dabei die Mission, solche neuartigen nanovesikulären Therapien in enger und interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen biomedizinischer Forschung und internationalen Partnern aus Klinik und Industrie von der Grundlagenforschung in die Anwendung zu bringen. Unter Einbindung von Expert:innen aus der Pharma- und Lebensmittelindustrie, regulatorischen Behörden, Patientenorganisationen, Ärzt:innen und medizinischem Pflegepersonal sowie betroffenen Zielgruppen aus der Bevölkerung werden dabei Lösungen für den gesamten Prozess von der Herstellung über die Zulassung und Anwendung bis hin zur breiten Öffentlichkeitsakzeptanz entwickelt, um die Entwicklung nanovesikulärer Präzisionstherapien zu beschleunigen und bestmöglich zum Einsatz zu bringen.

Dabei kann das LBI-NVPM auf eine strategische Schwerpunktsetzung im Bundesland Salzburg aufbauen, wo sich die Life Sciences in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt haben. Mit der Wissenschafts- und Innovationsstrategie Salzburg (WISS) wird seit 2016 konsequent und fokussiert die anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Nanovesikel und deren biomedizinischer Anwendung investiert. Mit einem starken Verbund zwischen der Paris Lodron Universität Salzburg, der Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg, dem Salzburger Landeskliniken Universitätsklinikum (SALK), der Innovation Salzburg GmbH und Partnern aus der Wirtschaft wurde damit ein interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt mit international hoher Sichtbarkeit aufgebaut.

Das Land Salzburg ist Partner des neuen LBI-NVPM. Im Rahmen der WISS wird das Institut mit Mitteln aus dem Forschungsressort von Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer mit bis zu drei Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren mitfinanziert.

Das LBI-NVPM stellt für Salzburg eine exzellente Spitzenforschungseinrichtung dar, die Österreich einen Platz als internationalen Frontrunner in der biomedizinischen Entwicklung neuartiger vesikelbasierter Therapien sichert.

 https://nvpm.lbg.ac.at


Foto: a. v.l.: Walter Haas, Geschäftsführer Salzburg Innovation, Sektionschefin im BMBWF Barbara Weitgruber, LBG-GF Marisa Radatz, LBI-Leiterin Nicole Meisner-Kober, LBG-GF Elvira Welzig, LBG-Präsidentin Freyja-Maria Smolle-Jüttner, Jutta Horejs-Höck, Vizerektorin für Forschung der PLUS | © Julia Dragosits

LBI für Health Science

HR Mag. Gabriele Pfeifer

Leitung Kommunikation und Fundraising

Paris Lodron Universität Salzburg | Abteilung Kommunikation und Fundraising

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Tel: +43 662 8044 2024

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