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Veröffentlicht am
Januar 27, 2026
Letzte Aktualisierung: Januar 27, 2026

Religious Studies Day 2026

Exorzismus zwischen Medizin, Macht und Tradition

Der Religious Studies Day an der Universität bot Einblicke in ein herausforderndes Thema.

Am Religious Studies Day, der an der Universität Salzburg am 22. Jänner stattfand, gab der Leiter des Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen, Prof. Dr. Martin Rötting, zunächst einen Überblick über das Angebot der Studien zur Religionswissenschaft an der Universität Salzburg. Anschließend berichteten Gäste aus Indonesien und Kenia von Ihrer Erfahrung als Teilnehmende des CrossCulture Religious Studies Project im Wintersemester in Salzburg.

Für den Hauptvortrag des Abends gelang es, Privatdozentin Dr. Nicole Bauer zu gewinnen, die einen Aspekt des mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnetes Buch zu Dämonen vorstellte, den Exorzismus-Ritus und der Umgang mit ihm in der katholischen Kirche der Gegenwart.

Exorzismus ist kein Relikt vergangener Zeiten: Der Vortrag „Zwischen Medizin, Macht und religiöser Tradition“ zeigte, dass die Praxis weltweit an Sichtbarkeit gewinnt und kirchlich wie gesellschaftlich an Bedeutung zulegt. Zugleich betonte die Referentin die wachsende Verzahnung mit Medizin und Psychologie, die Exorzismen heute professionalisiert und institutionell absichert – ohne bestehende Spannungen in der Deutungshoheit vollständig aufzulösen. Ein zentraler Punkt war die Reform des Exorzismusritus von 1999: Er stärkte das Gebetsverständnis, verlangte die bischöfliche Erlaubnis und die Einbeziehung fachlicher Expertise. Deutlich wurde auch die Unterscheidung zwischen großem und kleinem Exorzismus: Der große Ritus ist selten und streng reglementiert, während Befreiungsgebete weitaus häufiger sind. Institutionell ist das Feld durch die internationale Vereinigung der Exorzisten und entsprechende Fortbildungsangebote stark vernetzt. Am Fallbeispiel Österreich wurde sichtbar, wie unterschiedlich Diözesen vorgehen und wie stark psychologische Konzepte in die Praxis einfließen. Der Vortrag warnte zugleich vor Fehlentwicklungen: Radikalisierte Teufelsdeutungen können Gewalt befördern, wie ein jüngster Kriminalfall aus Italien erschütternd zeigt. Fazit: Exorzismus ist heute eine hybride Praxis – Schnittstelle von Seelsorge, Diagnostik und Autorität – und damit gesellschaftlich hochrelevant.

©Auszug aus "Exorzismus" von Francisco de GOYA / Nicole Bauer

©Martin Rötting / Auszug aus "Exorzismus" von Francisco de GOYA / Nicole Bauer