STRIVE – Structural Regional Inequalities in Vocational and Educational Outcomes: Examining regional disparities in academic and vocational education and their effects on socioeconomic opportunities

Welchen Einfluss hat die regionale Bildungsstruktur am Wohnort auf die sozioökonomischen Perspektiven junger Männer und Frauen?

Das österreichische Schulsystem ist durch eine frühe Aufteilung der Schüler:innen auf unterschiedliche Schulzweige nach der Volksschule gekennzeichnet und soziale und regionale Ungleichheiten in den Bildungschancen sind wiederholt dokumentiert. Der Zugang zur maturaführenden Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) versus Mittelschule (MS) ist in ländlichen Regionen deutlich geringer als in urbanen Regionen. Diese regional disparaten Möglichkeitsräume für Bildungsentscheidungen setzen sich in der weiterführenden Bildung fort und – so die zentrale Annahme des Projektes – führen pfadabhängig zu einem Studium oder beruflicher Ausbildung in unterschiedlichen beruflichen Feldern, die für die späteren sozioökonomischen Perspektiven maßgeblich sind. Bislang ist jedoch in Ländern mit früher Aufteilung wenig darüber bekannt, wie bedeutsam die räumliche Distanz vom Wohnort zur weiterführenden Schule am Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I für die sozioökonomischen Perspektiven junger Männer und Frauen ist.

Das Projekt verfolgt folgende Fragestellungen am Beispiel Österreichs:

  • Wie strukturiert die Distanz vom Wohnort zur nächsten AHS versus MS die Bildungsentscheidung nach der Volksschule und welche Unterschiede bestehen nach sozialer Herkunft und Geschlecht?
  • Was sind die kausalen Effekte von Bildungsentscheidungen auf die sozioökonomischen Perspektiven unterschiedlicher Gruppen junger Menschen aus?
  • Wie einflussreich sind Veränderungen in der regionalen Bildungsstruktur, konkret durch die Gründung einer neuen AHS in ländlichen Regionen, für die Bildungsabschlüsse und Arbeitsmarktchancen?

Das Projekt zeichnet sich durch ein kausales Forschungsdesign und einen differenzierten Blick auf die sozioökonomischen Perspektiven in qualifikationsspezifischen Berufsfeldern junger Menschen als Ergebnis ihrer Bildungsverläufe aus. Um Ungleichheiten aufzudecken berücksichtigt das Projekt, erstens, dass die zu erwartenden Erträge je nach Berufsfeld innerhalb der Hochschul- wie der Berufsbildung variieren, d.h. etwa die Entlohnung in bestimmten Felder in der beruflichen Ausbildung höher sind als in Studienberufen. Zweitens werden die Erträge nicht nur mit Blick auf Einkommen beurteilt, da die sozioökonomischen Perspektiven ebenso durch Merkmale wie Prestige, Beschäftigungssicherheit und Arbeitszeiten geprägt werden. Drittens sind die Feldspezialisierungen stark geschlechtsspezifisch geprägt, so dass Unterschiede für junge Männer und Frauen untersucht werden.

Datengrundlage sind umfassende Längsschnittregisterdaten von Schüler:innenkohorten, die mit aggregierten feldspezifischen Indikatoren der sozioökonomischen Qualität (Löhne, Beschäftigungssicherheit, Arbeitsbedingungen) verknüpft werden. Methodisch kommen deskriptive Analysen, ein Instrumentalvariablen-Ansatz über die räumliche Distanz sowie die Auswertung von AHS-Neugründungen als natürliche Experimente zum Einsatz.

Das Vorhaben liefert erstmals umfassende Evidenz dafür, wie regionale Bildungsstrukturen die Ungleichheit im österreichischen System der Kompetenzentwicklung formen, mit besonderem Augenmerk auf die Heterogenität innerhalb von Hochschul- und Berufsbildung. Die Ergebnisse sollen bildungspolitische Maßnahmen zur Verbesserung des Bildungsangebots und zur Sicherung gerechter Berufschancen unterstützen.

Infos für die Seite:

Principal investigator/Co_principal investigator
Brigitte Schels/ Stefan Vogtenhuber

Institutionen:
Fachbereich Soziologie und Sozialgeographie – University Salzburg,  Institute for Advanced Studies, Vienna (IHS)

Projektdauer:
2026 – 2028

Budget:
€ 345,559.57

Finanzierung:
Das Projekt wird durch das Förderprogramm Data:Research:Austria der Österreichischen Akademie der Wissenschaft (ÖAW) gefördert.

Projektnummer:
DATA_2025-62_STRIVE

Projekt Team

Brigitte Schels (Principal Investigator)
 Stefan Vogtenhuber (Co-Principal Investigator)
Bernhard Reicher
Matthias Stehle