Regionale Tradition und Kulturtransfer in der Ernährung am Beispiel der Residenzstadt Salzburg 1500-1800

Ernährungsgeschichte Salzburgs (FWF)

Am 1. März 2016 startete an der Gastrosophie ein vom FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) unterstütztes Projekt: Regionale Tradition und Kulturtransfer in der Ernährung. Das Beispiel der Residenzstadt Salzburg 1500-1800 – unter diesem Titel entsteht in den nächsten drei Jahren eine umfassende Studie zur Ernährungssituation im frühneuzeitlichen Salzburg.

Projektteam

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Lehrenden, DissertantInnen und einem Archivar, wird – basierend auf intensivem Quellenstudium – einem breiten Spektrum von Fragen auf den Grund gehen. Essenstradtionen, Kulturaustausch und Handelsbeziehungen (Gewürzhandel) werden genauso Thema sein wie die schichtspezifischen Ess- und Trinkgewohnheiten der urbanen Haushalte – vom fürsterzbischöflichen Hof bis zum Spital. Auch das zeitgenössische Wissen über Ernährung und dessen Vermittlungswege sollen dokumentiert werden.

Das Projekt ist in die Forschungsbereiche fürsterzbischöflicher Hof, Klöster, Gastronomie, städtisches Bürgertum und institutionelle Armenküche (geschlossene Häuser) gegliedert. Jeder dieser Teile verspricht für sich schon wertvolle Ergebnisse. Vom Prunk der Hoftafel über Vergnügen und Kommunikation in den städtischen Wirtshäusern, die bürgerlichen Gaumenfreuden, die Kargheit oder Opulenz der Klosterküche bis hin zur kostengünstigen Armenausspeisung wird sich der Bogen der Darstellung spannen. In Kombination sollen die Ergebnisse einen einzigartigen Einblick in das spätmittelalterliche und barocke kulinarische Salzburger Stadtleben in all seinen Facetten bieten. – Im deutschen Sprachraum ist dies der erste Versuch, ein Gemeinwesen mittlerer Größe in allen Aspekten der Ernährung zu erforschen und zu beschreiben.

Ziel der Studie ist es, die Ernährung durch eine genaue Analyse von Zusammenhängen und Verflechtungen – sowohl zwischen sozialen Gruppen als auch zwischen Wirtschaftsräumen – als wesentlichen und integralen Bestandteil von Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft darzustellen.

Darüber hinaus will sie zu einer weiteren Aufwertung des Themas Ernährung in der Geschichtsforschung beitragen und auch dazu, dass die deutschsprachige Geschichtswissenschaft einen stärkeren Anschluss an internationale Forschungsinitiativen wie die Food Studies gewinnt.

Die Wiederentdeckung und Verortung einer historischen Küche kann zudem auf Gastronomie, Tourismus und kulturelle Initiativen anregend wirken und auch kritische Impulse für eine Identitätsbildung in der Gegenwart liefern.

Ein Abschlussband mit den Beiträgen der Abschlusstagung „Speis und Trank im frühneuzeitlichen Salzburg“ ist in Vorbereitung.

Forschungsteam:
Ao. Univ.-Prof. DDr. Gerhard Ammerer (Projektleitung)
Ass. Prof. Dr. Michael Brauer (Leitung Nachwuchsförderung; Theorie und Methoden)
Mag. Jutta Baumgartner (Teilprojekt Gastronomie)
Simon Edlmayr, BA (Teilprojekt Fürsterzbischöflicher Hof)
Martina Rauchenzauner, MA / Dominik Maislinger, MA (Teilprojekt Bürgertum)
Dr. Gerald Hirtner (Archiv St. Peter; Teilprojekt Klöster)