Ars Docendi Anerkennungspreis 2026 für Verena Kreilinger
Verena Kreilinger vom Fachbereich Soziologie und Sozialgeographie der Universität Salzburg erhielt den Ars Docendi Anerkennungspreis 2026 in der Kategorie Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur für ihr Projekt „Globale Herausforderungen“.
Die international besetzte Jury zum Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre hat die zahlreichen Nominierungen ausführlich geprüft und in einer Jurysitzung Verena Kreilinger für den Preis ausgewählt.
Die Auszeichnung der Preisträger*innen erfolgte am 8. September 2026 durch Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Die Universität Salzburg war durch die Vizerektorin für Lehre und Studierende, Michaela Rückl, vertreten.
Verena Kreilinger ist seit 2023 wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung für Soziologie und Humangeographie. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Bedingungen, Widersprüche und materiellen Einschränkungen des Energiewandels.
Zum Projekt:
Warum steigen die globalen Treibhausgasemissionen trotz ambitionierter Klimaziele weiter an?
Genau diesen Widerspruch nimmt die Lehrveranstaltung Globale Herausforderungen zum Ausgangspunkt. Studierende analysieren, wie ökologische, ökonomische und politische Dynamiken ineinandergreifen – und warum klimapolitische Erfolgserzählungen mit realen Entwicklungen kollidieren. Die Studierenden arbeiten mit Emissionsdaten und modellbasierten Szenarien, vergleichen politische Zielsetzungen mit realen Trends und diskutieren Ambitions- und Umsetzungslücken. Mithilfe von KI übersetzen sie abstrakte Emissionspfade in konkrete Zukunftsbilder und legen Modellannahmen offen. Zugleich wird der öffentliche Klimadiskurs selbst zum Analysegegenstand: Social-Media-Videos von Klimaleugner*innen und Kommunikationsstrategien fossiler Unternehmen werden kritisch geprüft. Ein Live-Experiment mit einem neu angelegten TikTok-Account macht algorithmische Dynamiken erfahrbar. Das Prüfungsformat knüpft daran an: In einem kreativen, KI-unterstützten Essay entwickeln Studierende als fiktive Ministe*innen politische Strategien, die sie in einem schriftlichen Hinterzimmerdialog kritisch hinterfragen. In der mündlichen, KI-freien Prüfung müssen sie ihre Positionen verteidigen und mit neuen Daten konfrontiert weiterdenken. So verbindet die Lehrveranstaltung Analyse, Evidenz und Reflexion – und stärkt die Fähigkeit, komplexe Transformationsprozesse eigenständig und verantwortungsvoll zu beurteilen.
Würdigung durch die Jury (Univ.-Prof. Dr. Thomas Grob, Universität Basel):
Es ist zum Gemeinplatz geworden, dass viele akute Problemstellungen in unserer Gesellschaft nur mit einem interdisziplinären Ansatz sinnvoll angegangen werden können. Ebenso offensichtlich ist aber auch, dass diese Zugänge gerade im Lehrbereich schwer umzusetzen sind. Das mit einem Anerkennungspreis in der Kategorie „Lernergebnis orientierte Lehr- und Prüfungskultur“ ausgezeichnete Lehrprojekt zu „Globalen Herausforderungen“ geht von der Frage aus, warum Treibhausgasemissionen trotz Klimazielen weiter ansteigen. Die Dozentin selbst ist Sozialwissenschaftlerin, der Kurs schlägt aber die Brücke von der Kompetenz, Emissionsdaten und modellbasierte Szenarien zu verstehen, hin zu Fragen von öffentlichen Diskursen und politischen Handlungsweisen. Dabei wird auch KI gezielt eingesetzt. Nicht weniger interdisziplinär als Thema und Methoden ist die Zusammensetzung der Studierenden. Der Kurs gehört in ein gleichnamiges Modul des 21 Anerkennungspreis: Globale Herausforderungen Studienergänzungsprogramms der Universität Salzburg, das unterschiedlichsten Fachrichtungen offensteht, und setzt die fachliche Heterogenität der Gruppe positiv ein. Die Kompetenzziele der Veranstaltung sind auf verschiedenen Ebenen angesiedelt, geht es doch um die Analyse von Problemlagen, dann aber auch um „Evidenz und Szenarienkompetenz“ und um „Reflexive Diskurs- und KI-Kompetenz“. Jeder der Bereiche wird in unterschiedlichen Formaten behandelt und schriftlich wie mündlich geprüft. Die erste Ebene führt in die Komplexität des Materials ein und kontrastiert irritierende Statistiken mit scheinbaren Gewissheiten. Die zweite gilt erdwissenschaftlichen, technischen und sozialwissenschaftlichen Prozessen. Auf der dritten Ebene befassen sich die Teilnehmenden mit sozialen Medien und „algorithmisch kuratierten Inhalten“; dazu werden Podcasts rhetorisch ausgewertet oder TikTok-Experimente durchgeführt und es wird mit KI-Prompting experimentiert. Als Leistungsnachweise werden jeweils Essays verfasst, dies mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen. Wird im ersten Fall eine Art politisches Rollenspiel eingesetzt, beschäftigt sich der zweite mit politischen Maßnahmen. Im dritten schließlich wird die im Seminar gemachte Erfahrung mit Unterstützung von KI kritisch recherchiert und dokumentiert umgesetzt. Die mündliche Prüfung dann findet ohne Beizug von KI statt. Das Seminar verbindet in einem für eine Einzelveranstaltung erstaunlichen Maß unterschiedliche Kompetenzen und methodische Zugänge. Es baut auf viel Eigenleistung der Studierenden, die den thematischen Spielraum nutzen müssen und kooperatives Lernen üben. Die positiven Rückmeldungen lassen auf einen hohen Lerneffekt schließen. All dies zusammengenommen macht die Veranstaltung zu einem vorbildlichen Projekt.
Verena Kreilinger sieht in der Auszeichnung mit dem Ars Docendi-Staatspreis 2026 eine große Ehre und die Bestätigung ihrer Arbeit als Lehrende: „Mir war der Gedanke der wissenschaftlichen Urteilskraft wichtig, aber auch, ihn mit den konkreten Inhalten der Lehrveranstaltung zu verbinden. Die Atmosphäre reagiert auf Emissionen, nicht auf Narrative. Gerade bei Klimapolitik und Energiewende ist es wichtig, politische Ziele und Szenarien an Daten und materiellen Entwicklungen zu messen. Gute Lehre bedeutet für mich, belastbares Wissen zu vermitteln, aber auch wissenschaftliche Urteilskraft zu stärken: Widersprüche erkennen, Erklärungen kritisch prüfen und die eigene Position korrigieren, wenn die Evidenz es verlangt – gerade in Zeiten generativer KI. Mein besonderer Dank gilt den Studierenden: Ihre Neugier, ihre kritischen Fragen und eigenen Perspektiven haben die Lehrveranstaltung erst lebendig gemacht.“
Vizerektorin Michaela Rückl gratulierte im Namen der Universität Salzburg und würdigte die prämierte Lehrveranstaltung: „Verena Kreilinger zeigt mit ihrem Lehrprojekt, wie Hochschullehre Studierende dazu befähigen kann, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen kritisch, evidenzbasiert und verantwortungsvoll zu beurteilen. Der Ars Docendi Anerkennungspreis bestätigt zugleich, dass innovative, interdisziplinäre und gesellschaftlich relevante Lehre an der Universität Salzburg einen hohen Stellenwert hat. Frau Kreilinger hat ihre Auszeichnung in der Kategorie Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur gewonnen. Genau diese Thematik stand beim Tag der Lehre an der Universität Salzburg im Jahr 2025 speziell im Fokus. Ich freue mich sehr über diese verdiente Auszeichnung für Verena Kreilinger.“
Die Einreichungen, neben vielen weiteren Beispielen guter Lehre an österreichischen Universitäten, Fachhochschulen/HAW und Pädagogischen Hochschulen, sind im Online-Kompendium „Atlas der guten Lehre“ dokumentiert. Dort sind auch Beispiele für gute Lehre, die mit eigenen Lehrpreisen österreichischer Hochschuleinrichtungen ausgezeichnet wurden, besonders gekennzeichnet.
