Zu Gast an der Universität Salzburg: Altbundespräsident Heinz Fischer
Am 3. November 2026 stand die Universität Salzburg ganz im Zeichen der Demokratie. In der Großen Universitätsaula präsentierte Altbundespräsident Heinz Fischer sein neues Buch „Worauf es ankommt“. Die ursprünglich vorgesehene Gesprächspartnerin und Co-Autorin Corinna Milborn musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Die Moderation der Lesung übernahm Tamara Stangl von der Universität Salzburg.
Ausgehend von den Themen des Buches entwickelte sich ein Gespräch über die großen Fragen der Gegenwart: Krieg, Demokratie, Menschenrechte, Migration und Bildung. Fischer zeigte sich trotz der aktuellen Krisen zuversichtlich. Kriege und Konflikte seien keine neuen Phänomene, sondern hätten die Geschichte stets begleitet. Entscheidend sei, daraus Zuversicht zu schöpfen, dass demokratische Gesellschaften auch künftig Lösungen für große Herausforderungen finden können.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf Europas Rolle in einer zunehmend unsicheren Welt. Fischer bekannte sich klar zur österreichischen Neutralität. Einen NATO-Beitritt Österreichs halte er nicht für notwendig. Die sicherheitspolitische Situation Österreichs sei nicht mit jener Finnlands vergleichbar, das aufgrund seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu Russland andere Entscheidungen in der Vergangenheit treffen musste.
Zur internationalen Politik befragt, sprach Fischer über seine langjährigen Erfahrungen mit Staats- und Regierungschefs, darunter auch Wladimir Putin. Besonders eindrucksvoll schilderte er jedoch die Begegnung mit Nelson Mandela, den er gemeinsam mit seiner Frau Margit Fischer besuchen durfte. Mandela sei für ihn eine der beeindruckendsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gewesen und ein Beispiel dafür, wie demokratische Überzeugungskraft selbst nach schwersten Konflikten Brücken bauen könne.
Breiten Raum nahm die Diskussion über Migration und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Fischer plädierte für einen humanistischen Zugang, der Schutzsuchenden mit Menschlichkeit begegnet, gleichzeitig aber klare Regeln für Integration voraussetzt. Europa dürfe seine humanitären Grundwerte nicht aufgeben. Zugleich warnte er davor, politische Antworten auf Migration an populistischen Stimmungen auszurichten. Sozialdemokratische Parteien sollten nicht versuchen, rechte Positionen zu übernehmen, sondern eigene Antworten entwickeln.
Auch soziale Gerechtigkeit und die Zukunft des Sozialstaats wurden thematisiert. Fischer unterstrich die Bedeutung von Bildung – mit Blick auf die Universitätslandschaft sprach Fischer über die Bedeutung von Wissenschaft und Bildung für Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt. Budgetäre Herausforderungen seien nicht neu, bereits während seiner Zeit als Wissenschaftsminister habe es Diskussionen über knappe Mittel gegeben. Solche Entwicklungen seien nicht von Dauer. Fischer zeigte sich überzeugt, dass sich die Rahmenbedingungen für Universitäten und Studierende in den kommenden fünf Jahren wieder verbessern würden.
Zum Abschluss gewährte der Altbundespräsident auch persönliche Einblicke. Auf die Frage nach dem Geheimnis seiner bemerkenswerten Fitness im Alter von 88 Jahren verwies er auf ein aktives Leben mit seiner Frau Margit. Gemeinsame Wanderungen in den Bergen, regelmäßige Bewegung und geistige Neugier hätten ihn über Jahrzehnte begleitet.
Im Anschluss an das Gespräch nutzten zahlreiche Besucher*innen die Gelegenheit für direkte Fragen an Heinz Fischer. Diskutiert wurden unter anderem die Beziehungen Europas und Österreichs zu den USA und die Zukunft der Neutralität. Eine Buchsignierstunde folgte.
Am Abend wurde die Debatte im Rahmen des Salzburger Zirkels der Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften im DAS KINO fortgesetzt. Unter dem Titel „Demokratie unter Druck – Recht, Politik und die Zukunft Europas“ diskutierten Heinz Fischer, Konrad Lachmayer vom Fachbereich Öffentliches Recht und Andreas Dür, Fachbereich Politikwissenschaft über aktuelle politische Entwicklungen, die Zukunft Europas sowie die Rolle demokratischer Institutionen in Zeiten wachsender internationaler Unsicherheiten. Die Moderation übernahm SN-Journalist Marco Riebler.
Die beiden Veranstaltungen verdeutlichten eindrucksvoll, welche wichtige Rolle Universitäten als Orte des offenen Diskurses, der kritischen Reflexion und des Austauschs zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit einnehmen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen bieten sie den Raum, um zentrale Zukunftsfragen faktenbasiert, respektvoll und über unterschiedliche Perspektiven hinweg zu diskutieren.
Fotos zu beiden Veranstaltungen finden Sie am Flickr-Kanal der Universität Salzburg:
Fotos zur Lesung mit Bundespräsident Heinz Fischer
Fotos zum Salzburger Zirkel im DAS KINO
KONTAKT:
Anfragen zum Salzburger Zirkel: Johannes Warter | Arbeits- und Wirtschaftsrecht | | +43 662 8044-3093
Anfragen zur Lesung: Tamara Stangl | Universitätskommunikation | | +43 662 8044 2026
