Arbeitsvorhaben Alte Geschichte


Aristophanes und die Stimme des Volkes (Monika Frass)
Der Wert der antiken Komödie für historische Analysen ist, wie zahlreiche Untersuchungen zeigen, trotz literarischer Verfremdung und Fiktionalität, unbestritten. Waren die (auch eigenen) Forschungsinteressen zuletzt vor allem auf wirtschaftliche Aspekte bei Aristophanes ausgerichtet, so sollen in diesem Arbeitsvorhaben vor allem sozialpolitische und ‚imperiale‘ Ideen im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Der Fokus soll dabei auf der Frage liegen, welche Bedeutung die demokratische Verfassung, die bei Aristophanes durch die Stimme des Volkes erkennbar wird, für das Entstehen, aber auch für das Selbstverständnis des Athenischen Staates/Seereiches als ‚Imperium‘ hatte.

‹Transformation des Profanen – Interdependenzen von Sport und Kult› (Monika Frass)
Antiker Sport ist untrennbar mit antikem Mythos verbunden. So werden die berühmtesten griechischen Agone der Antike, die panhellenischen Spiele zu Ehren von Gottheiten wie Zeus (Olympia, Nemea), Poseidon (Isthmos) und Apollon (Delphi) abgehalten. Aber auch die Gründung von Wettkampfstätten und -spielen steht in engem mythischen Bezug, wie die Namen zahlreicher Gründungsheroen bezeugen. Gerade hier sind Interdependenzen von Sport und Kult, durch Transformation mythischer Gestalten erkennbar, die am Beispiel diverser Heroen und ihren differenzierten Überlieferungsformen erfasst werden sollen.

Mobilität und Gesellschaft im Altertum (Monika Frass)
Kaiserzeitlicher Autoren bieten neben soziopolitischen und wirtschaftlichen Fragestellungen auch ein breites Spektrum an kulturgeschichtlichen Informationen. So wird auch die gesellschaftliche Mobilität thematisiert, in Verbindung mit Aktivitäten unterschiedlicher sozialer Schichten. Am Beispiel der Analyse von Einzelautoren wie Sueton (vgl. auch bisherigen Publikationen) soll die Mobilität von Individuen, aber auch von Gruppen und Verbänden (Heer, Berufsgruppen, Funktionsträgern, Kaiser etc.) erfasst werden. Untersuchungen, die es auf weitere Autoren sowohl der griechischen als auch der römischen Antike auszuweiten gilt.

Thanatologie und Altertum (Monika Frass)
Die Beschäftigung mit dem Tod im Altertum ist in diversen fachspezifischen Disziplinen präsent. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen antike Kultvorstellungen, vor allem in Verbindung mit Bestattungsriten und Jenseitsvorstellungen, die auf der Basis diverser Quellengattungen (Literatur, Epigraphik, Papyrologie, Archäologie) Einblick in das Leben und Sterben verschiedener antiker Kulturen erlauben.
Gezielte Quellenanalysen bieten jedoch, worin ein Forschungsdesiderat besteht, weitaus mehr, wie Detailuntersuchungen antiker Autoren zu Todesarten und zeitspezifischen Begleitumständen in unterschiedlichem soziokulturellen Kontext zeigen.  Sie geben Einblick in Themen der Kriminalität und Gewalt, dem Rechtsverständnis antiker Gesellschaften, aber auch in die antike medizinische Versorgung, bieten somit ein breites Spektrum zur Vernetzung mit weiteren Wissenschaftsdisziplinen und als Arbeitsbasis für den Aufbau weiterführenden Forschungsprojekte.

Artemidors Traumbuch als religionsgeschichtliche Quelle (Rafał Matuszewski)
Mit den Oneirokritika Artemidors liegt uns das einzig vollständig erhaltene Lehrbuch der Traumdeutung aus dem griechisch-römischen Altertum vor und damit ein Werk, welches unvergleichliche Einsichten in die Theorie und Praxis, Grundbedingungen und Vorgänge der professionellen Traumdeutung bietet. Als das reichhaltigste Reservoir an Traumbildern und ihren möglichen Bedeutungen sowie an Reflexionen über die Methoden und Ansätze der mantischen Traumdeutung stellt das Werk Artemidors eine Quelle dar, die wertvolle Einblicke in die Lebenswelt der römischen Kaiserzeit gewährt, darunter in kultische Praktiken und religiöse Vorstellungen. Im Rahmen des Projekts sollen alle religiösen Anspielungen und Nuancen in Artemidors Werk untersucht werden.

Hiera Korinthiaka (Rafał Matuszewski)
Seit einigen Jahren erlebt die Forschung zur griechischen Religion eine wahre Renaissance. Um das Wesen und den Charakter des griechischen Polytheismus besser verstehen zu können, ist es notwendig, die lokale Dimension des Religiösen zu untersuchen. In der Tat sind in den letzten Jahren eine Reihe von detaillierten Studien zu Kulten und Heiligtümern einzelner Poleis bzw. Regionen der griechischen Welt erschienen, doch überraschenderweise gibt es immer noch kein umfassendes Werk zur religiösen Landschaft der antiken Korinthia. Geplant ist deshalb eine holistische Studie der kultischen und mythischen Landschaft Korinths von der archaischen bis zur römischen Zeit.

Tiere und die Animalisierung des Menschen in der griechischen Antike (Rafał Matuszewski):
Im jüdisch-christlichen Menschenbild kommt dem Menschen aufgrund seiner geistigen Seele eine eindeutig herausgehobene Stellung zu. Die alten Griechen dagegen betrachteten Tiere als gleichberechtigten Teil ihres eigenen lebensweltlichen Kosmos. In meinen Forschungen interessiert mich zwar die Rolle der Tiere im griechischen Weltbild im Allgemeinen, ganz besonders aber ein verwandtes Problem – die Formen der Animalisierung des Menschen. Dabei sind nicht nur die antiken Alltagsdiskurse von Interesse, in denen Tierbezeichnungen metaphorisch entweder auf eine einheitliche Gruppe von Menschen oder auf Individuen bezogen werden – Redensarten, Sprich- und Schimpfwörter sowie tierische Metaphern, mit denen Menschen bedacht wurden und welche mitunter zu den Spitznamen der damit belegten Personen geworden sind, sondern ebenfalls die gesellschaftlichen Praktiken (wie etwa die rituelle Jagd auf die Heloten in Sparta oder die ‹Domestizierung› von Kindern infolge eines Erziehungsprozesses, der sie zu einem Teil der zivilisierten Gemeinschaft machen sollte).

Historische Anthropologie der Antike / Soziohistorische Studien zur attischen Demokratie (Rafał Matuszewski)
Zu den zentralen Schwerpunkten meiner Forschung gehören historisch-anthropologische Fragen zur griechischen Antike. Die soziale Stellung der Waisenkinder in der griechischen Welt, tierische Schimpfwörter und Spitznamen, die Dynamiken des städtischen Lebens in der Antike, alltägliche Lebenswelten, Spiel- und Freizeitanlagen im klassischen Athen, epitedeumata athenischer Bürger, soziale Normen und Normenkonflikte, die Sexualität und Körperlichkeit – das sind nur einige der Themenfelder, denen ich in den letzten paar Jahren diverse Publikationen gewidmet habe. Die zuletzt erschienene Monographie, Räume der Reputation. Zur bürgerlichen Kommunikation im Athen des 4. Jahrhunderts v. Chr. (2019), befasst sich mit den Räumen, Normen und Medien der sozialen Kommunikation und öffentlichen Interaktion zwischen athenischen Bürgern im 4. Jahrhundert v. Chr.

Arbeit und Identität in der Antike (Georg Nightingale)
Erforschung der sozialen und wirtschaftlichen Aspekte der Arbeit allgemein und des Handwerks im Besonderen in Hinblick auf die Begründung der persönlichen Identität der beteiligten Personen.

Inatos: Bearbeitung der Glas- und Fayenceperlen (Georg Nightingale)
Bearbeitung der Fayence- und Glasperlen (späte Bronzezeit und historische Zeit) aus der Höhle von Inatos, Kreta auf Einladung von Prof. Philip Betancourt (Philadelphia, The Institute for Aegean Prehistory (INSTAP)).

Mitrou: Bearbeitung der Glas- und Fayenceperlen, sowie der Perlen aus anderen Materialien (Georg Nightingale)
Bearbeitung der Glas- und Fayenceperlen, sowie der Perlen aus anderen Materialien aus dem bronzezeitlichen und früheisenzeitlichen Fundort auf der Insel Mitrou in Mittelgriechenland auf Einladung von Prof. Aleydis Van de Moortel (University of Tennessee).

Lefkandi-Toumba: Bearbeitung der Fayence- und Glasperlen (Georg Nightingale)
Bearbeitung der Fayence- und Glasperlen der früheisenzeitlichen Toumba-Nekropole von Lefkandi (Euböa) für die Publikation auf Einladung von Frau Irini Lemos (Oxford, Ioannou Centre for Classical and Byzantine Studies ) im Rahmen des Publikationsprojektes der Funde der Früheisenzeitlichen Toumba-Nekropole von Lefkandi, Euböa. Im Publikationsstadium.