Am 9. Februar 2023 luden der Fachbereich Betriebswirtschaftslehre der Paris Lodron Universität Salzburg, die Zürcher Kantonalbank Österreich AG, die Industriellenvereinigung Salzburg, PwC Österreich, KSV1870 und die Fondsgesellschaft Swisscanto zu den „Wirtschaftsgesprächen Plus“ in der Edmundsburg am Salzburger Mönchsberg ein. Hochkarätige Experten – u.a. aus Wissenschaft, Finanzwesen und Wirtschaft – referierten zum Thema „E“ im Rahmen von ESG (Environment, Social, Governance) und beleuchteten Treiber, Lösungsansätze und Beispiele aus dem Unternehmensalltag.

In der Eröffnungsrede äußerte Dr. Peter Unterkofler, Präsident der Industriellenvereinigung Salzburg, Verständnis für Maßnahmen gegen umweltschädliches Verhalten und hielt fest, dass das Thema ESG in der Wirtschaft, vor allem in KMUs, noch nicht vollständig angekommen sei. Unterkofler unterstrich, dass die industrielle Wettbewerbsfähigkeit durch die vorgegebenen Rahmenbedingungen in der EU jedoch nicht gefährdet werden dürfe.

Im ersten Vortrag zeigte Univ.-Prof. Dr. Christine Vallaster, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Paris Lodron Universität Salzburg, mögliche Lösungsansätze für den Übergang zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft auf. Sie beschrieb dabei, wie sich Unternehmen von traditionellen Modellen mit rein wirtschaftlichem Fokus in Richtung ökologisch oder sozial denkender Unternehmen und in weiterer Folge zu gesamtheitlich denkenden Kreislaufwirtschaftsunternehmen weiterentwickeln können. Erfolgsrezepte seien die Vernetzung mit Gleichdenkenden, Interdisziplinarität, der Einsatz von KI und die Messbarkeit und Vergleichbarkeit von Umweltauswirkungen.

Univ.-Prof. Dr. Claudia B. Wöhle, Fachbereichsleiterin Betriebswirtschaftslehre an der Paris Lodron Universität Salzburg, erläuterte insbesondere die Maßnahmenpakete des EU-Aktionsplans rund um das zentrale Thema Sustainable Finance und deren Interdependenzen. In diesen gehe es unter anderem darum, den Zugang zu Übergangsfinanzierungen zu erleichtern, KMU und Verbraucher besser einzubeziehen, die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Wirtschafts- und Finanzsystems gegenüber Nachhaltigkeitsrisiken zu erhöhen oder die internationale Anschlussfähigkeit Europas zu verbessern.

Der österreichische Genetiker Univ.-Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger von der MedUni Wien identifizierte in seinem Vortrag die Lösungsbegabung als zentrale Fähigkeit zur Bewältigung der ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Die Suche nach Lösungen sei in der Menschheitsgeschichte ein wichtiger Treiber gewesen. Um ESG erfolgreich umsetzen zu können, müsse die Fehlerkultur gefördert werden, denn wer Fehler machen darf, lernt Lösungen zu suchen und wird dabei resilienter. Es brauche Possibilisten, die sagen: „Es wird nicht einfach, aber es ist machbar und ich helfe dabei mit.“

Mag. Philipp Gaggl von PwC Österreich gab einen Überblick über die internationale und europäische ESG Regulatorik und die Berichts- und Dokumentationspflichten, die sich ua aus der EU-Taxonomie, der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) mit europäischen Reportingstandards (ESRS) oder auch der Due Diligence Directive mit ökologischen und sozialen Mindestanforderungen in der Lieferkette ergeben. Zudem verwies er auf die Wichtigkeit der strukturierten Umsetzung von ESG-Zielen: ESG müsse neben der Berichterstattung auch in die Prozesse und Strukturen des Unternehmens integriert werden. Untersuchungen zeigen hier, dass viele österreichische Unternehmen hier noch Aufholbedarf haben.

Auch Robert Staubmann, M.A. von der KSV1870 Information GmbH, skizzierte den Aktionsplan der EU und das Zusammenspiel der EU-Taxonomie, der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der Due Diligence Directive sowie Lösungsansätze und die dabei zu beachtende Timeline für die betroffenen Unternehmen.

Beide Vorträge machten deutlich, dass ESG-Faktoren zunehmend Auswirkungen auf Investitionen, Kreditvergabe und Risikobewertungen und damit auf Entscheidungen verschiedenster Stakeholder haben, Compliance und erhöhte Transparenz betreffend die Umsetzung von ESG in Unternehmen seien unabdingbar.

Eleanor Willi, M.A., die im Team ESG Strategie & Business Development im Asset Management der Zürcher Kantonalbank, Zürich tätig ist, referierte über die Bedeutung und Bewertung von ESG-Kriterien aus Investorensicht. Sie sei überzeugt, dass es sich bei ESG und Nachhaltigkeit im Finanzwesen „um einen langfristigen Wandel und keinen kurzfristigen Trend“ handle. Verankert würden sie durch die explizite und systematische Einbeziehung von ESG-Faktoren in die Investitionsanalyse und die Investitionsentscheidungen. In diesem Zusammenhang betonte Willi die wichtige Rolle proprietärer Ratings, um die Nachhaltigkeitsperformance messen zu können und Vergleichbarkeit zu schaffen.

In Folge präsentierten Dkfm. Guido Felix, Geschäftsführer des Salzburger Fenster- und Türbeschlägeherstellers MACO GmbH, Philipp Werr, Geschäftsführer der Salzburger Copa-Data GmbH, Softwareentwickler im Bereich Industrie- und Energieautomatisierung, und Mag. Dr. Roland Wernik, Geschäftsführer der Salzburg Wohnbau GmbH und Präsident des KSV1870, wie ESG-Kriterien in ihren Unternehmen bereits erfolgreich berücksichtigt bzw umgesetzt werden.

Quelle: Universität Salzburg/Zürcher Kantonalbank

 

  • Referent*innen
    v.l. P. Unterkofler, C. B. Wöhle, P. Gaggl, R. Wernik, Ch. Vallaster, G. Felix, P. Werr, E. Willi und R. Staubmann
  • Organisationsteam
    v.l. P. Draxler, S. Urnik, G. Gorbach, A. Bellou, I. Schulte und S. Kletzmayr

    Foto: Siegrid Cain

  • Zürcher Kantonalbank
    v. l. G. Gorbach, E. Willi und J. Sobotta

    Foto: Siegrid Cain

  • v.l. M. Hengstschläger, S. Urnik und R. J. Vybiral
    v.l. M. Hengstschläger, S. Urnik und R. J. Vybiral

    Foto: Siegrid Cain