Christoph Muth
| Fachbereich | Kunst-, Musik- und Tanzwissenschaft |
| Hauptbetreuer | Univ.-Prof. Dr. Nils Grosch |
| Nebenbetreuer | Univ.-Prof. Dr. Matthias Weiss |
| Beginn | SS 20 |
| Kontakt | |
| Thema der Dissertation | Georg Kirstas strategische Identitätskonstruktion, als Grundlage des Überlebens in den jeweiligen Exilen sowie der erfolgreichen Etablierung am Londoner Westend Attribute der Emigration, kultureller Interaktion und politischen Engagements in den Arbeiten von 1937–1955 |
Abstract
Der im Jahr 1900 oder 1901 in Charkiw geborene Georg Kirsta (1900/1901–1955) kam schon sehr früh als bildender Künstler ans Theater. Sein Leben war geprägt von Flucht und Vertreibung; weitere Stationen auf seinem Lebensweg waren Wien, Berlin und London, wo er als Bühnen- und Kostümbildner, Regisseur und Produzent Arbeit fand. 1955 starb er im Londoner Exil. Seine erste Arbeit im britischen Exil war vermutlich im Jahr 1937 das Bühnen- und Kostümbild zu La Bien-Aimée (1928) in Bronislava Nijinskas (1892–1972) Inszenierung für das Markova-Dolin Ballet.1 Eine zentrale Frage der vorliegenden Studie war daher, inwieweit Kirstas Theaterschaffen im englischen Exil Spuren von Flucht, Vertreibung, Mobilität und politischem Engagement aufweist. Die drei folgenden Zugänge bildeten den Ausgangspunkt der Untersuchung: Zunächst wurde der historisch-analytische Bereich der Rezeptionsgewohnheiten, Produktionsbedingungen, Theater- und Aufführungsstrukturen sowie Strömungen der Bühnengestaltung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts genannt. Als Literaturgrundlage wurde dabei beispielsweise Jacqueline Brattons Acts of supremacy: The British Empire and the Stage, 1991, herangezogen (1). Weiterhin war der Bereich der Grundlagenforschung ein entscheidender Teil der Beobachtung. Aufgrund von Quellen wie etwa Entwürfen, Ankündigungen, Programmzetteln und Rezensionen aus Kirstas Nachlass sowie anhand von Digitalisaten auf Datenbanken wie Archives Hub wurde in dieser Dissertation sein Wirken dokumentiert, analytisch beschrieben und entschlüsselt (2).2 Darüber hinaus wurde ausgehend von theoretischen und methodischen Vorgaben interdisziplinärer Migrationsforschung wie etwa den von Wolfgang Gratzer, Nils Grosch, Ulrike Präger und Susanne Scheiblhofer, in Musik und Migration: ein Theorie- und Methodenhandbuch, 2023, beschriebenen Mobilitätsparadigmen gearbeitet (3). Fallbeispiele der wissenschaftlichen Arbeit bildeten Kirstas Produktionen von Darius Milhauds (1892–1974) La Bien-Aimée, Jacques Offenbachs (1819–1880) Les Contes d’Hoffmann (1881), Modest Mussorgskys (1839–1881) Sorotschinskaja jarmarka (1881) und Lennox Berkeleys (1903–1989) The Lovers’ Gallery (1947).
1) Bronislava Nijinska choreografierte die Ballettaufführung bereits im Jahr 1928 für die Ida Rubinstein Kompanie. Vgl. »Costume Design for female Galop Figure in the Carnaval«, Victoria & Albert Museum, https://tinyurl.com/2s4fc8mn, abgerufen am 28.04.2026.
2) Vgl. »Kirsta«, Archives Hub, https://archiveshub.jisc.ac.uk/search/?terms=kirsta, abgerufen am 17.07.2022.
