Natalie Stadler
| Fachbereich | Kunst-, Musik- und Tanzwissenschaft |
| Hauptbetreuer | Prof. Dr. Nils Grosch |
| Nebenbetreuer | Prof. Dr. Nicole Haitzinger |
| Beginn | WS 2018/2019 |
| Kontakt | |
| Thema der Dissertation | Musik und Tanz im Schauspiel am Beispiel des Salzburger Mysterienspiels „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ |
Abstract
Hugo von Hofmannsthals Jedermann ist nicht nur fest mit den Salzburger Festspielen und der Stadt Salzburg verbunden, sondern er gehört zu den faszinierendsten deutschsprachigen Theaterphänomenen überhaupt. Die Geschichte der Hauptdarsteller*innen und Regisseur*innen ist – anders als die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Musik und Tanz – gut erschlossen. Insgesamt waren und sind diese Topoi im Schauspiel einer ständigen Marginalisierung ausgesetzt, welche sich erst in den letzten Jahren langsam aufzulösen beginnt. Dieses Dissertationsprojekt knüpft an diese Lacuna der musik- und tanzwissenschaftlichen Forschung an und versucht zunächst die bisherigen Forschungsergebnisse seit der griechischen Antike in ihren Ansätzen zusammenzuführen. Anschließend setzt es sich als Fallstudie mit den Erscheinungsformen von Tanz und Musik in 105 Jahren Jedermanngeschichte auseinander (1920 – 2025). Welche Verbindungen lassen sich zwischen den Kunstformen herstellen und welche Relevanz haben sie innerhalb des szenischen Geschehens auf der Bühne?Um sich den vielfältigen Konzepten zu nähern, werden vier musikalische sowie fünf choreografische Unterscheidungskategorien vorgeschlagen, innerhalb derer versucht wird, die künstlerischen Konzepte zu Musik und Tanz im Jedermann zu unterteilen. Durch diese Differenzierung wird sich herausstellen, dass sich die Konzeptionen der ersten Jahrzehnte vorwiegend auf das ursprüngliche Regiekonzept Max Reinhardts beziehen. Tanz findet hauptsächlich während des Auftritts der Buhlschaft sowie während der Tischgesellschaft statt. Klanglich konzentrieren sich die Konzepte auf eine dramaturgisch intendierte Etablierung und Unterscheidung einer weltlichen sowie einer himmlischen Konnotation von Musik. Erst den Regisseuren Brian Mertes und Julian Crouch gelang es ab 2013 Tanz und Musik aus diesem starren Inszenierungskonzept zu lösen. Sie setzen bewegungsdynamische Elemente gezielt als dramaturgische Handlungsträger während des gesamten Stückes ein. Die Choreografie wurde so Teil der „Ereignisdichte des simultan stattfindenden Geschehens“(1) im gesamten Schauspiel. Mit dem Engagement des Komponisten Wolfgang Mitterer öffnete sich außerdem der Weg hin zu einem multidimensionalen und für das Publikum erlebbaren Klangraum auf dem Domplatz.Insgesamt stellt sich durch umfängliche Quellenanalyse heraus, dass sich die vorgeschlagenen Kategorisierungen innerhalb der Jedermanngeschichte als sinnvoll erweisen, um den Inszenierungsversionen in ihrer künstlerischen Individualität zu begegnen.
(1) Brüstle, Christina. „Tönende Zeit-Räume. Aspekte der Inszenierung und Wahrnehmung von Klang“. In: Möglichkeitsräume. Zur Performativität von sensorischer Wahrnehmung. Christina Lechtermann [Hrsg.]. E. Schmidt Berlin, 2007. S. 163-171, hier: S. 163.

© Hubert Auer