Veranstaltungen

Plakat der Ringvorlesung

 

Ringvorlesung des Zentrums für Jüdische Kulturgeschichte und des FB Altertumswissenschaften

S 2021, dienstags 17.15-18.45 Uhr (webex)

Anmeldung erforderlich: über PLUSonline (LV-Nr. 839.063) oder per E-Mail an:

„Das Licht der Bibel und die Sonne Homers“ (Isaak Heinemann)

Die Relation von griechisch-römischer und jüdischer Antike in den Altertumswissenschaften und den Jüdischen Studien

23.3.2021  Einführung (Susanne Plietzsch, Alexander Sokolicek)

13.4.2021  Isaak Heinemann: Antisemitismus, Philon und Halacha (René Bloch, Bern)

27.4.2021  Klassische und jüdische Antike. Zum Selbstverständnis der deutschen Altertumswissenschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert (Christhard Hoffmann, Bergen)

11.5.2021  Vulnerabilität und körperliche Fragmentierung: Das griechische Hiobbuch im Lichte antiker Medizin (Annette Weissenrieder, Halle)

25.5.2021  Jews in Asia Minor: Roman Rule and the Limits of Integration (Seth Schwartz, New York)

1.6.2021   Sportwettkämpfe in Genesis Rabba und in Origines´ neuentdeckten Homilien (Maren R. Niehoff, Jerusalem)

15.6.2021  Classics and Jewish Studies: Language Contacts (Nurit Shoval-Dudai, Beer-Sheva / Jerusalem)

22.6.2021  Zusammenfassung und Abschlussdiskussion (Susanne Plietzsch, Alexander Sokolicek)

   

Konzept:

Susanne Plietzsch, Professorin für Judaistik am Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg

Alexander Sokolicek, Professor für Klassische Archäologie, Universität Salzburg

Mihaly Riszovánnij, Senior Scientist am Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg

Wenn der deutsch-jüdische klassische Philologe und Philon-Übersetzer Isaak Heinemann (1876-1957) 1895 einen Brief an seinen Göttinger Lehrer Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff damit schloss, dass er sich nicht nur „das Licht der Bibel, sondern auch die ‚Sonne Homers‘“ leuchten lassen wolle, spricht er sich damit für ein weites und diskursives Verständnis der Antike aus, das bis heute gängige Forschungskonventionen herausfordern und bereichern kann.

Die Diskussion der griechisch-römischen und der jüdischen Antike findet bislang überwiegend in getrennten Diskursräumen statt. Die Ursachen dafür führen in den Beginn der universitären Altertumswissenschaft im 19. Jh. zurück: Sie liegen zum einen in dem Bestreben, einen von der Theologie unabhängigen Bereich zu schaffen, zum anderen in einem der westlichen geisteswissenschaftlichen Tradition inhärenten – mitunter unreflektierten und subtilen – Antijudaismus. Der 1807 von Friedrich August Wolf geprägte Topos, dass das antike Judentum keine der griechisch-römischen vergleichbare Gelehrtentradition aufweise, dass es „zu verschieden von den Griechen und Römern“ sei, um in die Altertumswissenschaft aufgenommen werden zu können, erwies sich als nachhaltig. Zwar wurde der christlichen Antike eine gewisse Brückenfunktion zwischen Altem Israel und der griechisch-römischen Welt zuerkannt, doch selbst diese fungierte als Instrument christlicher Deutungshoheit über das Judentum.

Es kann als eines der vordringlichsten Ziele der im 19. Jh. entstehenden Wissenschaft des Judentums bezeichnet werden, die Relevanz des antiken und rabbinischen Judentums für die europäische Kultur und ihr Geschichtsbewusstsein darzulegen, es gelang aber nicht, den gewünschten Paradigmenwechsel herbeizuführen. Die Vorstellung einer tiefen kulturellen Verschiedenheit sowie eine Ausblendung des Judentums sind bis heute präsent, auch wenn der ursprünglich damit verbundene Antijudaismus in der Geisteswissenschaft keine Basis mehr hat. 

Thema der Ringvorlesung ist eben dieser Topos der kulturellen Differenz zwischen jüdischer und griechisch-römischer Antike, dessen Spuren weit vor die Entstehung der europäischen Altertumswissenschaft zurückreichen. Die Vorlesung soll sowohl theoretische als auch ganz konkrete Aspekte behandeln. Zum einen soll gefragt werden, in welche Diskurse – wissenschaftspolitischer, aber auch religiöser und theologischer Art – dieser Topos der Unterscheidung eingebettet ist, bzw. wo er als Teil sowohl christlicher als auch jüdischer geschichtstheologischer Narrative erscheint; zum anderen wollen wir auf neue Perspektiven in den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft und der Rezeption der Antike hinweisen, auf Forschungen der letzten Jahrzehnte, die auf altgewohnte Zuschreibungen und Grenzziehungen verzichten und die Räume des Diskurses neu beschreiben.


 
 

 

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