Workshop mit Ernst Ulrich von Weizsäcker

Am 2. Mai 2022 fand in der Oesterreichischen Nationalbank im Vorfeld zur  Jubiläumskonferenz „50 Jahre ‚Grenzen des Wachstums‘“ ein  Workshop mit Ernst Ulrich von Weizsäcker statt, bei dem Fritz Hinterberger, Vizepräsident des Austrian Chapter, gemeinsam mit Nathalie Spittler (BOKU) und Meike Bukowski (Universität Salzburg) das Projekt  Wellbeing – ein gutes Leben in einer Welt voller Krisen präsentierten. Folgend lesen sie eine  Workshopbericht von Fritz Hinterberger mit Bildern von Meike Bukowski.

Workshop mit Ernst Ulrich von Weizsäcker
Workshop mit Ernst Ulrich von Weizsäcker

  Wissenschaftler*innen und Künstler*innen diskutierten dabei den Stand des Projekts und seine (Weiter-)Entwicklung. Meike Bukoski präsentierte die Rolle des Projekts im UniNEtZ-Projekt, Nathalie Spittler den methodischen Rahmen und  Fritz Hinterberger den aktuellen Stand des Projekts.

Ernst Weizsäcker, früher Co-Präsident des internationalen Club of Rome, findet am vorgeschlagene Projekt, “das BIP umzudefinieren”, vor allem “vernünftig, es systemhaft” anzugehen. Eine zentrale Herausforderung sei aber, dass Nachhaltigkeit ein globales Problem sei und jede Messung des Fortschritts auf regionaler oder nationaler Ebene daher den Beitrag zum Gemeinwohl der Welt zeigen müsse. Ansonsten kommt es zu einem Streit “Ökologie gegen Ökonomie”.

Das bekannte Dreieck ökonomischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit sei ein “Lügengebäude”, so Weizsäcker. Gerade die soziale Komponente werde defakto meist missbraucht: da wird der Betriebskindergarten zum Argument verwendet, um Schwächen im Klimaschutz aufzuwiegen. Der Betriebswirt René Schmidpeter stimmt ihm zu: schließlich stellen die planetaren Grenzen eine “single bottom line” dar. Das gelte schließlich auch für das bekannte Bild, in dem die 17 SDGs gleichberechtigt als “Kacheln” nebeneinander gestellt werden und bevorzugt eine Darstellung, die die “ökologischen” SDGs 13, 14 und 15 als Grundlage für alles andere darstellen, ergänzt Weizsäcker.

Diskussion mit Ernst Ulrich von Weizsäcker“Gut” findet Weizsäcker die Herangehensweise eines Bürgerrates, bei der repräsentativ ausgewählte Bürger:innen anstatt oft selbst-ernannter “Stakeholder” an einem partizipativen Prozess teilnehmen. Dem schloss sich auch der Journalist und Unternehmer Rainer Schultheis an, der mit seinem Unternehmen  SAPHENUS Pionier und  erster Anwender des vorgestellten Konzepts ist: “Stakeholder müssen Nachhaltigkeitsforscher werden”, sagt Schultheis, “vor allem die junge Generation!”

Die sozial-ökologische Ökonomin Anke Schaffartzik von der Central European University kritisierte ebenso wie Franz Fehr von der Universität für Bodenkultur und Ratsvorsitzender des  UniNEtZ die unkritische Verwendung von Begriffen wie BIP oder “Konsum”, wobei auch die Verteilungsfrage zu stellen sei: ich kann in einem Land mit niedrigem BIP leben, aber zur Elite mit hohem Einkommen gehören, so Schaffartzik. Beide sprachen sich unisono für eine Neudefinition des “guten Lebens” aus. “Was ist Wellbeing?” fragte auch die Künstlerin  Simona Koch und Gerda Palmetshofer ergänzt: es gehe dabei auch um “Unterlassung”. Auch Lisa-Marie Weidl (Studierende an der Universität für Angewandte Kunst Wien) verweist auf die vielfältigen Ausdrucksformen der Kunst, während der Grafiker Christian Schienerl das Thema “Kommunikation” betont und auch die “Skalierbarkeit”. Martin Hoffmann vom Austrian Chapter betont, dass die Zielerreichung einzelner Unternehmen und Regionen als Beitrag zu den Gesamtzielen messbar sein müssen.

Das ist auch Max Fuchslueger von Fridays for Future wichtig und meint: “Universitäten könnten da deutlich mehr machen”. Dafür einen Raum zu schaffen fordert auch Dennis Kacetl, Jugendsprecher der  Gemeinwohlökonomie und Vorstand der Kommunikationsagentur (Genossenschaft)  cooppa, die daran arbeitet, das Konzept vor allem  an Unternehmen zu vermittelnBernhard Bergmair plädiert dafür, konkrete Fragen, wie die Messung der planetaren Grenzen außer Frage zu stellen, Ebenso wie Weizsäcker plädiert er für eine starke Rolle der Politik, etwa in der Frage von “Ökosteuern”. Dem stimmt auch Helwin Prohaska von der “Energiewende Linz” zu.

Alexandra Wegscheider-Pichler, bei  Statistik Austria für Nachhaltigkeitsindikatoren zuständig, mahnt vor allem bei der Aggregation zur Vorsicht. Andererseits: eine Liste von 200 Indikatoren “überfordert jeden”. Für die subjektive Lebenszufriedenheit gäbe es “sehr stabile Indikatoren – auch über verschiedene Einkommensstufen hinweg.”

Das Projektteam bedankte sich für die zahlreichen Kommentare und Inputs aber auch Unterstützung und Wertschätzung. Vieles sei schon im Konzept angelegt (ohne in der kurzen Präsentation aufgenommen worden zu sein). “Anderes nehmen wir gerne auf” verspricht Fritz Hinterberger in seinem Abschlussstatement.

Foto der Salzburger DelegationFoto der Salzburger Delegation
Liebe Grüße von der Universität Salzburg aus Wien. 

Buchveröffentlichung von Adreas Koch

Buchcover

Koch, Andreas (2022): Armut? Klare Antworten aus erster Hand, Paperback, 177 Seiten,  morawa – Die österreichische Online-Buchhandlung

Armut ist greifbar! Sie ist aber auch vielschichtig. Andreas Koch geht dem Phänomen auf den Grund. Im Frage-Antwort-Stil beleuchtet er u.a. historische, ökonomische und politische sowie gesellschaftliche und geografische Aspekte der Armut. Auf die aktuelle wissenschaftliche Debatte und Formen der Armutsbekämpfung geht er ein. Zahlen und Fakten runden das Buch ab. Zahlreiche Abbildungen illustrieren den Stoff.