Mirijam Beier

Department Department of Musicology and Dance Studies
PhD Supervisor PD Dr. Mag. Daniel Brandenburg
PhD Co-Supervisor tba
Start Summer semester 2016
Contact mirijam.beier@sbg.ac.at
Topic/Title Die ‘Operisti’ im 18. Jahrhundert: Biografie, künstlerisches Profil und Karrierestrategien der Sängerin Marianne Pirker (ca. 1717–1782)

Abstract

Die italienische Oper des 18. Jahrhunderts war eine europaweit an den Höfen und in den Städten verbreitete Kunstform, zu deren Expansion die Sänger einen wesentlichen Teil beige-tragen haben. Trotzdem lag der Fokus der musikwissenschaftlichen Opernforschung lange Zeit fast ausschließlich auf den Komponisten und ihren Werken. Erst in jüngerer Zeit wurde der Blickwinkel allmählich auf die Produktionsumstände sowie das künstlerische Personal, die ‘Operisti’, erweitert. Unter den ‘Operisti’ prägten besonders die Sänger jede Aufführung und damit die Werkhaftigkeit der Gattung Oper entscheidend, da die Kompositionen an die Bedingungen des jeweiligen Aufführungsortes immer wieder neu adaptiert und Partien einem Interpreten angepasst wurden. Dies reichte von geringfügigen Anpassungen an das jeweilige Vokalprofil bis zur Substitution ganzer Arien. Daraus wird deutlich, dass es sich hierbei um eine Praxis der ständigen Bearbeitung und Veränderung handelte, in der Kategorien wie Authentizität oder Urfassung nicht von Bedeutung waren. Aus dieser Forschungsperspektive sollen in der Dissertation die Biografie, das künstlerische Profil und die Karrierestrategien der Sängerin Marianne Pirker (ca. 1717–1782) erarbeitet werden. Marianne Pirker gehörte nicht zur allerersten Riege der Sängerstars des 18. Jahrhunderts, aber sehr wohl zu der Basis der handwerklich ausgezeichneten Sänger, die das Fundament des Opernbetriebs der Zeit bildeten. Sie war europaweit als Wandertruppenmitglied so-wie als am Hof angestellte virtuosa tätig und verfügte über Kontakte innerhalb des Opern-netzwerks in vielen europäischen Städten. Über die Korrespondenz mit ihrem Ehemann Franz Pirker aus den Jahren 1748–50 ist in ihrem Fall zudem eine Analyse ihrer Nutzung des künstlerischen Netzwerks möglich. Dabei handelt es sich um eine bislang nicht ausgewertete, einzigartige Quelle, die außerdem für die Erarbeitung ihrer Biografie und ihres künstlerischen Profils von großer Bedeutung ist. Die Erstellung ihres künstlerischen Profils (bestehend aus ihrem Vokalprofil, ihrem Status innerhalb der Opernhierarchie, ihrem Karriereweg und der zeitgenössische Rezeption) ist entscheidend, um die Sängerin innerhalb des kulturellen Netz-werks zu verorten und ihren Beitrag zur Verbreitung und künstlerischen Umsetzung der Gattung Oper in dieser Zeit darzustellen. Die wissenschaftliche Erarbeitung ihrer Biografie, abseits der bisher unternommenen lokalhistorisch motivierten Ansätze, bildet dafür die Grund-lage. Auf diese Weise will die Dissertation aus der Perspektive der Sängerin Marianne Pirker einen Beitrag zur Aufarbeitung der Forschungslücke in der Operngeschichte des 18. Jahrhunderts leisten.