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Entscheidung für eine Denkerin

Der Theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen ging Mittwoch Abend, 2. August 2023, an die Theologin Susanne Heine. Die Laudatio hielt Angelika Walser, Professorin für Moraltheologie und Spirituelle Theologie an der Paris Lodron Universität Salzburg.

Die Verleihung des Theologischen Preises für ein Lebenswerk stellt traditionell einen der Höhepunkte bei den Salzburger Hochschulwochen dar. „Nicht immer geht er an eine Theologin oder einen Theologen, doch in diesem Jahr haben wir uns bewusst für eine Denkerin entschieden“, sagte gestern Abend Martin Dürnberger, Obmann der Salzburger Hochschulwochen, in der Großen Aula der Paris Lodron Universität Salzburg. Mit Susanne Heine habe die Jury jemanden gewählt, der die Theologie ins Gespräch bringt, sich für interkulturelle Begegnungen vor allem zwischen Christ*innen und Muslim*innen einsetzt. Die 81-jährige Theologin ist zudem Trägerin des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Ihre Laudatio auf Susanne Heine gestaltete Univ.-Prof. Angelika Walser als eine Art Korrespondenz, die ihre Annährung an die zu Ehrende beschrieb. Sie wolle das Lebenswerk nicht an Publikationen und Karrierehöhepunkten festmachen und damit riskieren, dass das Auditorium währenddessen sanft entschlafe. Vielmehr habe sie sich von zwei Anregungen inspirieren lassen: „Wissen, was man will und warum man es will, sowie zuzugeben, was einem unbedingt wichtig ist.“ Über drei Wochen hinweg sucht Walser in der Beschäftigung mit der Person von Susanne Heine nach Hoffnung und Orientierung. „Sexuelle Gewalt, Missbrauch und Kirchenaustritte ziehen eine permanente Selbstrechtfertigung nach sich, ich habe Ausschau gehalten nach Hoffnung und etwas, was uns aus der Krise heraushilft.“

Allein 100 Werke gebe es in der Universitätsbibliothek auf Deutsch, durchgearbeitet hat sich Walser durch diesen Stapel nicht. Und trotzdem einen Weg zur Preisträgerin gefunden. Beispielsweise durch die Beschäftigung mit Heines theologischen Ansätzen zur feministischen Anthropologie, aber auch durch deren Zugang zu den psychologischen Facetten von Religion. 1990 hatte sie den Ruf an die Theologische Fakultät der Universität Zürich als Professorin für Praktische Theologie und Religionspsychologie angenommen. 1996 war Heine an die Universität Wien zurückgekehrt, wo sie das Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie bis zu ihrer Emeritierung 2010 leitete.

„Ich würde Ihr Leben als Fragment bezeichnen“, sagte Walser, und Susanne Heine stimmte ihr in ihrer Dankesrede nach der Verleihung des Preises zu. Sie habe sich stets in Themen hineingetigert. Doch wenn ihr zu einem dieser Themen nichts mehr eingefallen sei, habe sie sich ein neues gesucht. Aktuell beschäftigt sie sich mit der Natur als religiösem Konzept und inwieweit aktuelle Strömungen der tatsächlichen Religion Konkurrenz machen könnten. Inspiriert vom Motto der Salzburger Hochschulwochen „Reduktion! Warum wir mehr Weniger brauchen“, hat sie zehn Thesen formuliert. Unter anderem fordert sie weniger Gehorsam und mehr Hinhören, weniger Ermahnung und mehr Zutrauen sowie weniger Sünde und Tod, dafür mehr Lob an die Schöpfung.

Der Theologische Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde in diesem Jahr von der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs gestiftet.

Die Salzburger Hochschulwochen dauern noch bis zum 6. August 2023.

 www.salzburger-hochschulwochen.at

Theologischer Preis 2023

HR Mag. Gabriele Pfeifer

Leitung Kommunikation und Fundraising

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Foto: Laudatorin Angelika Walser (links) und die Preisträgerin Susanne Heine | © Hans-Christian Gruber