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News

Online Vortragsreihe „Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Pandemie“

Die Online Vortragsreihe „Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Pandemie“ findet mit jeweils zwei Terminen im Juni, Oktober und November 2021 statt. Die Vortragsreihe ist eine Kooperation des Zentrums für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg mit InnoSozial und wird von Nikolaus Dimmel und Gottfried Schweiger organisiert.

Mehr Informationen unten sowie unter: https://www.plus.ac.at/zentrum-fuer-ethik-und-armutsforschung/


Katalysator COVID-19

Die COVID-19 Pandemie wirkt als Katalysator für die Vertiefung sozialer Ungleichheiten und Benachteiligungen. Insbesondere Kinder und Jugendliche, welche auf die Unterstützung durch den Sozial- und Wohlfahrtsstaat und seine Institutionen angewiesen wären, sind hiervon betroffen. Bereits vor der Pandemie galten 303.000 Kinder und Jugendliche gemäß der Befunde aus EU-SILC als armutsgefährdet. Kontrafaktisch aber wird diesen Kindern und Jugendlichen wenig mediale und politische Aufmerksamkeit zu teil.

Ergebnis der Kinderarmutsforschung ist, dass sich die soziale Lage armutgefährdeter, sozial benachteiligter Kinder aus vier Komponenten, nämlich

  1. der materiellen Lage des Kindes (Einkommensverfügung, Wohnen, Nahrung, Kleidung),
  2. der Versorgung in der kulturellen Lage (Bildungsbeteiligung, Lern- und Selbst/Erfahrungsmöglichkeiten),
  3. in der sozialen Lage (soziale Integration, soziale Inklusion, Kompetenzen) sowie
  4. in der gesundheitlichen Lage (Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten) zusammensetzt, wobei zwischen (punktueller) „Benachteiligung“ und (umfassender) „multipler Deprivation“ zu unterscheiden ist.

Kinderarmut ist komplex und mehrdimensional.

Weitaus stärker als bei Erwachsenen verursachen Armutslebenslagen bei Kindern langfristige Folgen. Diese gehen darauf zurück, dass verfestigte Versagungen bei Kindern und mündigen Minderjährigen, also ein Aufwachsen in Armut, bis hoher Wahrscheinlich in Armutskarrieren münden und den Kreislauf der sozialen Vererbung von Armut fortschreiben. So verfestigen sich im Vorschulalter herausbildende Einschränkungen bzw. Defizite währen der Volksschulzeit. Je früher und länger Kinder derartigen Benachteiligungssituationen ausgesetzt sind, desto schwächer gelingt die Entwicklung individueller Potenziale, Ressourcen und „Capabilities“.

Eine Beurteilung der sozialen Folgen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche muss in die bisherigen Befunde der Armutsforschung auflagern. Schon bisher galt deren Armut als massive Desinvestition in die Zukunft, verbunden mit erheblichen gesellschaftlichen Folgekosten bzw. einer „negativen Umwegrentabilität“.

Fragen

Was nun die Belastungen und Veränderungen im Rahmen der sozialen Lage der Kinder und Jugendliche über die Pandemie hinweg anbelangt so lassen sich mehrere Themenbereiche unterscheiden, in denen sich folgende Fragen auftun:

  1. Erstens stellt sich die Frage, was auf struktureller und institutioneller Ebene getan wurde, um die sich verschärfenden Armuts und Ausgrenzungsrisiken von Kindern und Jugendliche in während der Pandemie abzufedern.
  2. Zweitens stellt sich die Frage, wie Kinder und Jugendliche die Pandemie subjektiv erlebt haben. Bereits vorliegenden Befunden zufolge hat sich die kindliche und jugendliche Lebenswelt durch die Pandemie stark verändert – soziale Kontakte wurden eingeschränkt, öffentliche Orte teils gesperrt, Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen waren eine Zeit lang geschlossen. Die Familie wurde zum zentralen kindlichen Sozialraum, womit eine ganze Reihe von Problemen verbunden waren, die sich insbesondere in armutsgefährdeten und sozial benachteiligten Familien verstärkt und gehäuft zeigten.
  3. Zum dritten stellt sich die Frage, ob, in welchem Ausmaß und in welchen sozialen Strata (Schichten, Milieus) mittel- und langfristige Bildungsverluste zu verzeichnen sein werden bzw. jetzt beobachtet werden können.
  4. Zum vierten stellt sich die Frage, wie sich die Pandemie auf die Gruppe der abhängten Jugendlichen, die sich weder in Schule, Ausbildung noch Arbeit (NEET) befinden, ausgewirkt hat. Diese Jugendlichen waren bereits vor der Pandemie aufgrund der Umbrüche am Arbeitsmarkt, auf welchem die Beschäftigungschancen von Pflichtschulabgänger:innen sukzessive deutlicht reduziert wurden benachteiligt und wurden vom ökonomischen Einbruch durch die Pandemie und die Lockdowns besonders betroffen.
  5. Zum fünften stellt sich die Frage, wie Jugendliche diese schwierigen Situationen verarbeiten, etwa durch delinquentes Verhalten oder den Gebrauch von Suchtmitteln, aber auch, wie sich die Pandemie auf die (psychische) Gesundheit von Kindern und Jugendlichen niedergeschlagen hat. Zum sechsten stellt sich die Frage, welche Folgen die eingeschränkte Zugänglichkeit (Sperrung/Schließung; reduzierte Öffnungszeiten) der Kindertagesbetreuungseinrichtungen (Kindergarten, Hort, Nachmittagsbetreuung) während der Pandemie für die Kinder selbst, aber auch für die Chancen der Bewältigung elterlicher Betreuungspflichten hatten und haben.

Viele der oben genannten Probleme und Herausforderungen sind keineswegs neu, sondern folgen dem Umbau des Sozial- und Wohlfahrtsstaats in den letzten Jahren und Jahrzehnten und seinem ideologisch-diskursiven Überbau. Allgemein ist zu sagen, dass die Dauer der Pandemie ausgehend von März 2020 für die durch hohe Wandlungsdynamiken gekennzeichnete Lebensphase der Kindheit und Jugend nicht nur subjektiv empfunden eine sehr lange ist, sondern auch objektiv. Anders gesagt: aufgrund der hohen Änderungsdynamik in Kindheit und Pubertät müssen ein- bis zweijährige Entwicklungsstörungen oder gar -unterbrechungen als erhebliches soziales Risiko begriffen werden.


Diese Themen werden im Rahmen der Online Vortragsreihe an sechs Terminen diskutiert. Zwei Termine finden im Juni 2021, jeweils zwei Termine im Oktober und November 2021 statt.

1. Termin: 1. Juni 2021, 17.00-18.30 Uhr

Judith Ranftler (Volkshilfe)
Kinder in pandemischer Gesellschaft. Wie armutsgefährdete Kinder die Pandemie erlebten

Judith Ranftler ist Bereichsleiterin für Asyl und Migration, Kinder und Jugend bei der Volkshilfe Österreich und leitet dort das Projekt Kinderarmut abschaffen.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Link zum Vortrag:  https://uni-salzburg.webex.com/uni-salzburg/j.php?MTID=m52ba8a61097629d684fb95b7d9dfc569

2. Termin: 15. Juni 2021, 17.00-18.30 Uhr

Ingrid Krammer (Leiterin des Amtes für Jugend und Familie der Stadt Graz)
Kinder- und Jugendhilfe in der Pandemie. Herausforderungen, Lernprozesse, Perspektiven

Ingrid Krammer ist Leiterin des Amtes für Jugend und Familie der Stadt Graz.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Link zum Vortrag:  https://uni-salzburg.webex.com/uni-salzburg/j.php?MTID=m9a98cdee586674c4ab157238d9cdf3c4

3. Termin: 5. Oktober 2021, 17.00-18.30 Uhr

Christoph Helm (Universität Linz)
Bildungsbenachteiligung durch Schulschließungen während der Corona-Pandemie? Internationale Befunde und Befunde aus Österreich

Christoph Helm ist Professor und Leiter der Abteilung für Bildungsforschung der Linz School of Education an der Universität Linz.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Link zum Vortrag:  https://uni-salzburg.webex.com/uni-salzburg/j.php?MTID=m47b95ee43f95d6e7e5a47144c8a4e234

4. Termin: 19. Oktober 2021, 17.00-18.30 Uhr

Caroline Culen (Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit)

Auswirkungen der Pandemie auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Caroline Culen ist Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, Supervisorin und Geschäftsführerin der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Link zum Vortrag:  https://uni-salzburg.webex.com/uni-salzburg/j.php?MTID=m36419600d430f1b7ec5c81f63cc799a7


Rückfragen an

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Plakat: © Ranftler