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PLUS für Verantwortung in einer offenen Gesellschaft

Der Wissenschaft in Forschung und Lehre kommt bei der Lösung zentraler Probleme unserer Gesellschaft eine herausragende Rolle zu. Wissenschaft ist dabei notwendig diskursiv verfasst und lebt von der Vielfalt der Menschen und Positionen. Die PLUS bekennt sich zu ihrer Rolle in der demokratischen Gesellschaft, zur Gewährleistung und Gestaltung von Diversität und zum Kampf für Menschenrechte und gegen Diskriminierung.

Nicht immer ist es einfach, im Universitätsbetrieb das richtige Verhältnis zwischen diskursiver Offenheit, dem Zulassen kontroverser Themen und der Abwehr diskriminierender oder antidemokratischer Positionen zu finden. Dialog bildet die Voraussetzung für das Gelingen solcher Abwägung und Aushandlung.

In der jüngsten medialen Berichterstattung wird die Aussetzung eines für das Sommersemester am Fachbereich Philosophie KGW geplanten Seminars diskutiert. Die gegenständliche Lehrveranstaltung behandelt das Thema „Ethische Interventionen: Boykottstrategien – Pro & Contra“ und setzt sich mit der antiisraelischen Boykottbewegung BDS auseinander. Am 1. März erhielten wir (Rektorat, Dekan und Fachbereichsleitung) ein Protestschreiben der Jüdischen österreichischen HochschülerInnen sowie des Vorsitz-Teams der Österreichischen HochschülerInnenschaft an unserer Universität. Gegenstand der Kritik war die Themensetzung und die bekannte politische Positionierung des Lehrveranstaltungsleiters, verbunden mit der Forderung einer Absage des Seminars. Der Lehrveranstaltungsleiter wurde am 4. März über das Bestehen der geschilderten Einwände informiert. Universitätsleitung, Dekan und Fachbereichsleiter initiierten einen Diskussionsprozess, in dessen Rahmen es am 17. März auch zu einem Gespräch mit den VertreterInnen der Jüdischen österreichischen HochschülerInnen sowie dem Vorsitz-Team der Österreichischen HochschülerInnenschaft kam. Im Gefolge dieses Gesprächs kamen wir zu der Einschätzung, dass es angesichts der Komplexität der Problemlage geraten erscheint, die Lehrveranstaltung zunächst auszusetzen.

Uns erschien aufgrund der Diskussion über die Lehrveranstaltung ein reibungsfreier Ablauf des Seminars nicht gewährleistet. Wir wollten ferner einer universitätsinternen Diskussion über die Problematik, die weit über die einzelne Lehrveranstaltung hinausreicht, Raum und Zeit geben sowie diese für KollegInnen und Studierende jenseits des Rektorats, des Dekans und des Fachbereichs Philosophie öffnen. In diesem Kontext planen wir für das Wintersemester eine Lehrveranstaltung zum Thema „Die Grenzen akademischer Redefreiheit im universitären Kontext“, in der dieses äußerst wichtige Thema nicht nur von philosophischer Seite, sondern interdisziplinär und breit aufgestellt diskutiert werden kann. Dazu sollen der betroffene Lehrveranstaltungsleiter, die oben genannten Studierenden, KollegInnen anderer Fachbereiche, Philosophiestudierende und gegebenenfalls auch externe ExpertInnen eingeladen werden.

Es war unsere Intention, die Angelegenheit und den damit verbundenen Diskussionsprozess universitätsintern zu organisieren. Leider wurde er jedoch nun frühzeitig in die Medien getragen. Wir hoffen, dass der oben skizzierte Prozess dennoch für alle Betroffenen umsetzbar ist.

Die Freiheit der akademischen Lehre ist nicht verhandelbar, aber das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung im wissenschaftlichen Diskurs einer offenen Gesellschaft muss immer wieder neu diskutiert werden. Und dazu brauchen wir Zeit.

Hendrik Lehnert, Rektor

Martin Weichbold, Vizerektor für Lehre

Martin Knoll, Dekan der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät

Alexander Hieke, Fachbereichsleiter Philosophie, KGW Fakultät