Ringvorlesung Kanonische Texte – Kanonische Komödien
Ringvorlesung des Masterstudiums Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
Sommersemester 2026
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Peter Deutschmann (FB Slawistik) Univ.-Prof. Dr. Ralph Poole (FB Anglistik)
Die alljährlich zu allgemein relevanten Themen der Literaturwissenschaft veranstaltete Ringvorlesung behandelt im Sommersemester mit der Komödie eine seit der Antike produktive Gattung, die in mehrfacher Hinsicht soziale Relevanz hat. Sie reflektiert gesellschaftliche Umstände und führt soziokulturelle Normen oder menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten vor. Ihre kontinuierliche Popularität liegt in der Präferenz für Unterhaltung begründet, sie beruht freilich auf dem Intellekt – nach traditioneller Auffassung appelliert die Komödie an den Verstand des Publikums und nicht wie die Tragödie an dessen Gefühl.
In ihrer langen Geschichte hat die Gattung sehr unterschiedliche Ausprägungen erfahren, in denen die Grundelemente – theatralische Handlung, körperliches Spiel der Akteure, Wortwitz – auf sehr verschiedene Weise zur komischen Wirkung beigetragen haben. Es werden daher auch sehr bekannte Filmkomödien thematisiert, wobei unterschiedliche Epochen und Sprachkulturen exemplarisch vertreten sein werden.
Die Ringvorlesung möchte einen metonymisch zu verstehenden Überblick über bekannte Komödien bieten und auf deren Machart sowie Wirkungsgeschichte eingehen. Das seinerseits etwas komisch anmutende Attribut „kanonisch“ im Titel bedeutet nicht, dass die von den Vortragenden ausgewählten Komödien dem heutigen Kanon und den gegenwärtigen Präferenzen entsprechen sollen, auch historisch wirksame, heute aber weniger oft gespielte Stücke werden behandelt, wobei auf unterschiedliche Auffassungen vom Komischen eingegangen wird.
Das Programm der Ringvorlesung präsentiert Komödien aus verschiedenen europäischen oder von Europa beeinflussten Kulturen. Die Ringvorlesung aus Vergleichender Literatur- und Kulturwissenschaft ist nicht nur für Studierende, sondern auch für am Thema interessierte Personen ohne Studienabsicht offen.
Die Vorträge dauern etwa 75 min. mit anschließender Diskussion.
MI, 17.15-18.45 Uhr, Unipark, Raum 3.409

Vorläufiges Programm (Stand 11.2.2026):
04.03.2026 Einführung
11.03.2026 Thomas Schirren (Altertumswissenschaften)
Aristophanes: Die Frösche (405 v. Chr.)
18.03.2026 Christopher Laferl (Romanistik)
Was ist komisch in der frühneuzeitlichen spanischen comedia? Gedanken zu Calderóns La banda y la flor (Die Schärpe und die Blume) 1632/1668
25.03.2026 Gottfried Kreuz (Altertumswissenschaften)
Terenz‘ Andria. Vom Kulturimport zum Schultext
15.04.2026 Clemens Peck (Germanistik)
Wiener Kärntnertortheater – Komischer Kanon, Körperkomödie
Textualität und Performativität in den Hanswurstiaden des Wiener Kärntnertortheaters (1724)
22.04.2026 Julia Boll (Anglistik)
‚She Flies with Wings More Lofty‘: Das anarchische Potenzial von Dekkers und Middletons Roaring Girl
29.04.2026 Susanne Winter (Romanistik)
Goldoni – Von der Commedia dell’arte zur Charakterkomödie (Il servitore di due padroni und La locandiera)
06.05.2026 Peter Deutschmann (Slawistik)
Nikolai Gogol, Revizor (1836/1842)
13.05.2026 Annette Keck, LMU (Germanistik)
Brandon Thoma, Charley’s Aunt (1892)
20.05.2026 Eva Hausbacher (Slawistik)
„Erlauben Sie, das ist doch eine Farce“. Zur Gattungsproblematik von Anton Čechovs Dramen am Beispiel von Višnevyj sad (Der Kirschgarten)
27.05.2026 Kathrin Ackermann (Romanistik)
Molière, Le Misanthrope. Zwischen Konformismus und Konfrontation
03.06.2026 Ralph J. Poole (Amerikanistik)
Pillow Talk (Michael Gordon, 1959) – Zur Komik der Indiskretion in der Sex Comedy
10.06.2026 Caitríona Ní Dhúill (Germanistik)
Ingmar Bergman’s comedies, All These Women, Wild Strawberries, Smiles of a Summer Night
17.06.2026 Sara Izzo (Romanistik)
Subversives Komisieren durch Travestie in Le Balcon (1956), Les Bonnes (1947) und Héliogabale (1942/2024) von Jean Genet
24.06.2026 Nicole Haitzinger (Tanzwissenschaft)
Alles Komödie?! Emma Dante: Re Chicchinella (Der Hühnerkönig)
Zum Komischen und seinen verschiedenen Lachweisen im (post-post-dramatischen) Gegenwartstheater
1. Ferienwoche
Klausur