Ulrich Winkler Lectures

4. Ulrich Winkler Lecture

Donnerstag, 2. Juni 2022, 18:00 Uhr, HS 101 der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg (Universitätsplatz 1, Salzburg, EG).

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Foto: © S. Rettenbacher privat

Vortragende:
Ass.-Prof.in Dr.inSigrid Rettenbacher (KU Linz)

Thema:
Unsagbares. Ungesagtes. Unsägliches.
Kirchliche Identitäts- und Diskurspolitiken im Zeichen von Differenz(-erfahrungen)

Die Sprache ist das wichtigste Werkzeug der Theo-logie – der Rede von Gott. Das Reflektieren des unsagbaren göttlichen Geheimnisses steht dabei immer in der Spannung von dem, was gesagt werden kann, und dem, was unsagbar bleibt. Somit ist immer schon ein Moment der Differenz in das christliche Selbstverständnis eingeschrieben, auch wenn der kirchliche Identitätsdiskurs vor allem auf Einheit abzielt. Auch in den sogenannten postkolonialen Theorien, die vermehrt Einzug in die deutschsprachige Wissenschaftslandschaft und nun auch die Theologie finden, ist Sprache zentral – und zwar in Form von Diskursen, die die Wirklichkeit nicht nur abbilden, sondern in der vermeintlichen Beschreibung der Wirklichkeit diese Wirklichkeit erst schaffen. Ein Fokus postkolonialer Forschung liegt auch auf Identitätsfragen, die ebenfalls ein Produkt diskursiver Ausverhandlungsprozesse – „wir“ vs. „die Anderen“ – sind. Dabei spielen auch Machtfragen eine Rolle: Wer hat im Diskurs ein Stimme? Wer wird nicht gehört? Welche Themen werden überhaupt besprochen und welche Themen werden lieber verschwiegen?

Für die Theologie können postkoloniale Theoriewerkzeuge sehr erhellend sein, indem sie kirchliche Identitäts- und Diskurspolitiken im Angesicht von Pluralität und Differenzen freilegen: Was darf (nicht) gesagt werden bzw. was wird (nicht) gesagt? Dies soll im Vortrag anhand der Religionstheologie Jacques Dupuis‘ aufgezeigt werden, gegen die im Jänner 2001 eine Notifikation der Glaubenslehre erlassen wurde. Religionstheologische Reflexionen zum Verhältnis des Christentums zu anderen religiösen Traditionen sind für die kirchliche Identität immer prekär. Ausgehend vom Fallbeispiel Dupuis soll ein postkolonial inspirierter Blick auf kirchliche Identitäts- und Diskurspolitiken entwickelt werden, die im Spannungsfeld von Unsagbaren, Ungesagtem und Unsäglichen stehen. Mit Hilfe dieser Trias von Unsagbaren, Ungesagtem und Unsäglichen können auch Fragestellungen analysiert werden, die für die gegenwärtige Krise der Kirche und ihr Ringen um Glaubwürdigkeit in einer pluralen Gesellschaft relevant sind (Missbrauch, Genderfragen, Lebensformen, …). Die Frage nach dem im kirchlichen Diskurs Ausgeschlossenen (Ungesagten) und dem dadurch produzierten Leid (Unsäglichen) müssen heute zu zentralen Fragestellungen in der theologischen bzw. ekklesiologischen Forschung werden, um die Relevanz der christlichen Botschaft nicht preiszugeben.

Anmeldung erforderlich:  https://veranstaltungen.plus.ac.at


3. Ulrich Winkler Lecture

Mittwoch, 6. April 2022, 18:00 Uhr, HS 101 der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg (Universitätsplatz 1, Salzburg, EG).

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Foto: © A. Nehring privat

Vortragender:
Prof. Dr. Andreas Nehring (Universität Erlangen)

Thema:
Spiritualität zwischen Religion und Säkularisierung

Es ist wohl kaum übertrieben, den Begriff ‚Spiritualität‘ als einen Schlüsselbegriff in gegenwärtigen, zeitgenössischen Diskursen zu bezeichnen, die sich auf Formen der Religiosität jenseits oder am Rand von kirchlichen Strukturen beziehen. Das gilt nicht nur für die Kulturpsychologie, sondern in gleicher Weise auch für die Religionswissenschaft, vor allem aber gilt es für populäre Diskurse, in denen der Begriff ‚Spiritualität‘ nahezu inflationär gebraucht wird. Die Gründe, die dafür gefunden werden, dass Spiritualität boomt, sind vielfältig und insbesondere in kirchlichen Diskursen findet sich eine bemerkenswerte Mischung aus apologetischer Zurückweisung und positiver Adaption. In dem Vortrag  werde ich insbesondere die Adaption östlicher Formen von Spiritualität im sogenannten Westen in den Blick nehmen.

 

Anmeldung erforderlich:  https://veranstaltungen.plus.ac.at

 


2. Ulrich Winkler Lecture

Mittwoch, 16. März 2022, 18:00 Uhr, HS 101 der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg (Universitätsplatz 1, Salzburg, EG).

Vortragender:

Perry Schmidt-Leukel
Foto: © PSL privat

Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel (Universität Münster)

Thema:
Erleuchtungsgeist und Heiliger Geist. Śāntidevas Bodhisattva-Ideal aus christlicher Sicht

 

Der „Geist des Erwachens“ im Buddhismus zeigt erstaunliche Ähnlichkeiten zum „Heiligen Geist“ bei Paulus. Wie deuten wir diese Ähnlichkeiten, aber auch die Unterschiede? Weht der Heilige Geist auch im Buddhismus? Zeigt sich in Christus auch der Geist des Erwachens? Und vor allem, was bedeutet die Erkenntnis starker inhaltlicher Verzahnungen zwischen den Religionen für die theologische Interpretation ihres Verhältnisses? Perry Schmidt-Leukel zählt nicht nur zu den renommiertesten Vertretern einer pluralistischen Religionstheologie, sondern ist zudem ein international geschätzter Experte im christlich-buddhistischen Dialog. In seiner Ulrich Winkler Lecture wird er den diesen Fragen nachgehen und seine eigenen Antworten zur Diskussion stellen.

Perry Schmidt-Leukel ist Professor für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie an der Universität Münster. Dort ist er zugleich einer der Principal Investigators am Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Buddhismus, religiöser Pluralismus und interreligiöse Beziehungen. 2015 hielt er als erster Deutscher nach 25 Jahren die renommierten Gifford Lectures. Sie wurden 2017 in englischer und 2019 in deutscher Sprache veröffentlicht. 2020 wurde er mit dem Höffmann Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz ausgezeichnet. Ebenfalls in 2020 erhielt sein Kommentar zum Bodhicaryāvatāra in den USA den Frederick J. Streng Award for Excellence in Buddhist-Christian Studies.

Anmeldung erforderlich:  https://veranstaltungen.plus.ac.at


1. Ulrich Winkler Lecture

Donnerstag, 14. Oktober 2021, 18:00 Uhr, HS 101 der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg (Universitätsplatz 1, Salzburg, EG).

Vortragender:

P. Dr. Christian Rutishauser SJ
Foto: © Christof Wolf SJ

P. Dr. Christian Rutishauser SJ (Zentraleuropäische Provinz SJ, München)

Thema:
Der Blick der Andern – Jüdische Denker zu Christentum und zum jüdisch-christlichen Dialog

 

Zu einem Dialog gehört, den Andern nicht nur in seinem eigenen Selbstverständnis so gut wie möglich wahrzunehmen, sondern auch wie dieser einem und das Verhältnis selbst wahrnimmt. So stellt die Lecture Texte von Joseph D. Soloveitchik, Abraham J. Heschel, Irving Greenberg und David Novak vor. Sie repräsentieren orthodoxe und konservative Positionen; zwei klassische Stimmen aus der Frühzeit des Dialogs in den 1960er Jahren und zwei Stimmen des 21. Jahrhunderts, alle aus Nordamerika.  

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